Bachelor-Studiengang Automobilinformatik
Der Bachelorstudiengang „Automobilinformatik“ ist die konsequente Antwort auf den aktuellen Trend in der Automobilindustrie. Im Gegensatz zu einem aufgesetzten Masterstudiengang werden hier von Beginn an die notwendigen Grundlagen aus der Elektrotechnik und dem Maschinenbau vermittelt. Ferner wird im Studiengang bewusst ein Systemdenken vermittelt. Fahrzeugsoftware ist praktisch immer in einen technischen Prozess eingebettet. Eine effiziente Softwareentwicklung beginnt deshalb auf der funktionalen Ebene und nicht auf der C.Code-Ebene eines Steuergerätes. Die Studenten werden deshalb am Ende ihrer Ausbildung in der Lage sein in einem interdisziplinären Team komplexe Systeme zu entwickeln und nicht nur gekapselte Softwarebausteine. Trotzdem ist dieser Studiengang ein echter Informatikstudiengang, der alle wichtigen Kenntnisse der Kerninformatik vermittelt.
Qualifikationsziel
Ziel des Bachelorstudiengangs Automobilinformatik ist es, auf der Basis einer breit angelegten interdisziplinären Ausbildung in Mathematik, Physik, Informatik, Elektrotechnik und Fahrzeugtechnik Kenntnisse und Fähigkeiten in folgenden Anwendungsgebieten zu vermitteln:
- Entwicklung von softwarebasierten Fahrzeugfunktionen in einem interdisziplinären Team.
- Modellbildung, Simulation und Rapid Prototyping von softwarebasierten Fahrzeugfunktionen.
- Entwicklung von verteilten, busvernetzten Funktionsarchitekturen im Fahrzeug.
- Systemdesign von Kommunikationsprotokollen im Fahrzeug.
- Entwicklung von softwarebasierten Konzepten zur Mensch-Maschine Interaktion.
Von großer Bedeutung ist dabei die konsequente interdisziplinäre Ausrichtung des Studiengangs, die die drei Hauptdisziplinen des Automobilbaus, den Maschinenbau, die Elektrotechnik und die Informatik verbindet.
Automobilindustrie in Bayern
Der Automobilbau gehört zu den Kernkompetenzen der bayerischen Industrie und besitzt eine lange Tradition im Freistaat. Mit ca. 25 Prozent Industrieumsatz ist die Automobilbranche die umsatzstärkste Industriebranche Bayerns. Etwa 16 Prozent aller Arbeitsplätze in der bayerischen Industrie entfallen auf die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen. Die bayerischen OEMs, Audi (ext.) in Ingolstadt und BMW (ext.) in München, gehören zu den erfolgreichsten und fortschrittlichsten der Welt. Darüber hinaus sind in Bayern rund 160 Tier 1-4 Automobilzulieferer angesiedelt, darunter namhafte Traditionsunternehmen, wie z.B. die Dräxlmaier Group (ext.) oder die Grammer AG (ext.). Vor diesem Hintergrund muss sich auch die bayerische Hochschullandschaft intensiv auf dem Automobilsektor positionieren. Die Hochschule Landshut, die sich wiederum im Zentrum der bayerischen Automobilindustrie befindet, richtet sich mit allen technischen Studiengängen auf die Automobilindustrie aus.
Elektronik im Automobil
Die Elektronik eines Automobils spielt heutzutage eine zentrale Rolle. Bis zu 40% der Herstellungskosten eines Fahrzeuges stammen aus der Elektronik. Ferner werden 90% aller Innovationen durch Elektronikunterstützung erreicht. Premiumfahrzeuge besitzen bis zu 70 Rechnereinheiten (Steuergeräte), die mit bis zu 5 Bussystemen untereinander kommunizieren. Zwar wird versucht, die Anzahl der Steuergeräte wieder zu verringern. Der Funktionsumfang der einzelnen Steuergeräte wird aber auch in Zukunft beständig steigen. Die Gründe hierfür sind vor allem in unaufhörlich zunehmenden Komfort-, Sicherheits- und Umweltschutzanforderungen zu suchen.
Software im Automobil
Bis vor kurzem war die Software im Automobil ein integraler Bestandteil
der Elektronik. Der Hersteller eines Steuergerätes entwickelte sowohl
die Hardware als auch die Software. Die Software war eng mit der
Hardware verbunden und wurde deshalb auch meist von
Elektrotechnikingenieuren entwickelt.
In Zukunft wird es aber zu einer klaren Trennung zwischen Software und
Hardware kommen. Bereits heute werden Betriebssysteme und Basissoftware
für Steuergeräte als eigenständige Produkte unabhängig von der
Anwendungssoftware und der Elektronik entwickelt. Die OEM haben
erkannt, dass eine relevante Differenzierung gegenüber dem Wettbewerber
nur über die Anwendungssoftware erfolgen kann. Mit Hilfe der
Basissoftware wird die Anwendungssoftware von der konkreten
Hardwareplattform entkoppelt und zum eigenständigen Produkt. Bereits
seit 2003 arbeitet die Automobilindustrie im AUTOSAR Konsortium (ext.)
gemeinsam an Konzepten zur Kapselung und Wiederverwendung von
Softwarekomponenten auf der Anwendungsebene. Der Automobilsoftwaremarkt
wird laut aktuellen Marktforschungen bis zum Jahr 2010 mehr als €100
Mrd. betragen. Dem Hardwareanteil wird ein Wachstum von knapp 70%
prognostiziert, während das Softwarevolumen im gleichen Zeitraum um
mehr als 300% anwachsen soll. Der Softwareanteil wird dann
durchschnittlich 13% des Fahrzeuggesamtwertes umfassen.
Die deutlich angestiegene Komplexität durch mehr Funktionalität,
Vernetzung und Funktionsverteilung erfordert zudem fundierte
Entwicklungsmethoden und interdisziplinäres Denken. Softwareentwicklung
im Automobil wird zur Schlüsselkompetenz. Der Bedarf an Spezialisten
auf diesem Gebiet ist bereits derzeit kaum zu decken und wird auch auf
absehbare Zeit sehr hoch bleiben. Die Zeit, in der die Software
nebenher von Elektrotechnikingenieuren geschrieben werden konnte ist
vorbei. Ein sehr großer Anteil unserer Informatikstudentinnen und
-studenten arbeitet bereits heute im Rahmen ihres Praktikums oder bei
der Erstellung ihrer Abschlussarbeit in der Automobilindustrie. Der
neue Bachelorstudiengang „Automobilinformatik“ hat folglich eine
immense Arbeitsmarktfähigkeit.
Die Automobilindustrie selbst hat auf den Trend, dass die Software im
Automobil ein eigenständiges Produkt wird, entsprechend reagiert.
Bereits im Jahre 2002 wurde beispielsweise die BMW Car IT GmbH (ext.) als 100%-ige Tochter der BMW Group (ext.) gegründet um das Potential einer softwarebasierten Infrastruktur im Automobil zu erschließen.
