E-Fahrzeuge als Standard - neue technische Entwicklungen nötig
Den Abschluss und gleichzeitig einen Höhepunkt der Eröffnung des neuen LAC-Kompetenzzentrums bildete die mit hochrangigen Experten aus Wirtschaft, Politik, Forschung und Medien besetzte Podiumsdiskussion
„Elektroauto – was muss geschehen, damit es Standard wird?“ Rund 160 Teilnehmer/innen nahmen an der von Prof. Dr. Petra Denk (Fakultät Elektrotechnik/Wirtschaftsingenieurwesen) an der Hochschule Landshut initiierten und moderierten Diskussion teil.
Rund um das Thema E-Mobility besteht ein wahrer Hype. In der Diskussion wurde aber deutlich, dass die aktuelle Technik noch nicht das Potenzial bietet, E-Fahrzeuge effizient flächendeckend als wirkliche Alternative zum Verbrennungsmotor einsetzen zu können. Doch waren sich die Experten einig, dass man jetzt enorme Anstrengungen in Forschung und Entwicklung in Deutschland stecken müsse, um nicht Gefahr zu laufen, bei diesem Thema mit enormer wirtschaftlicher und auch umweltpolitischer Tragweite ins Hintertreffen zu geraten.
Großteil der Autofahrten im Nahverkehr
Rund 80 Prozent der täglichen Autofahrten würden mit ein oder maximal zwei Personen im Fahrzeug und einer Reichweite von unter 50 Kilometern durchgeführt, wie Karl Nestmeier (Smiles AG, Vorstand) erklärte. Dem entsprechend verfolge sein Unternehmen das Ziel, kleinere und erschwingliche Fahrzeuge herzustellen, die einen niedrigen Energieverbrauch hätten. Gedacht seien diese vorrangig für den kleinstädtischen Bereich, in dem der Öffentliche Personen Nahverkehr weniger stark ausgebaut sei. „Hier sind wirtschaftliche Fahrzeuge bereits heute umsetzbar“ ist Nestmeier überzeugt. Allgemein Aussagen für „das“ Elektroauto seien schwierig, man müsse verschiedene Märkte segmentieren.
Eine andere Zielgruppe fasst BMW ins Auge. Wie Dr. Sandra Krommes (BMW AG, Leiterin Verkehr und Umwelt) betont, habe das Unternehmen mit dem E-Mini-Feldversuch wertvolle Erfahrungen gesammelt. Das Endziel müsse aber sein, ein neues Fahrzeugskonzept zu entwickeln, nicht nur ein bestehendes Fahrzeug mit Elektroantrieb auszurüsten. BMW plane ein sog. Megacity Vehicle, das sich u.a. durch Leichtbauweise und damit Gewichtsreduzierung auszeichne. Dabei dürfe aber der gewohnte Fahrkomfort nicht zu kurz kommen. „Das E-Fahrzeug der Zukunft wird über 200 PS haben“, ist auch Dr. Joachim Becker (SZ, freier Technologiejournalist) überzeugt. Die heutigen Autofahrer seien einen hohen Komfort gewohnt, auf den sie auch nicht mehr verzichten würden. Dementsprechend würden die neuen E-Fahrzeuge viel Geld kosten und sich an eine vermögende Klientel richten.
Neue Entwicklung in der Batterietechnik nötig
Engpass und zugleich größter Kostenfaktor sei bei den elektisch angetriebenen Autos nach wie vor die Lithium-Batterie, wie Eduar Wanzke (Deutronic AG, Vorsitzender Geschäftsführung) betonte. Der Preis liege bei rund 20.000 Euro pro Fahrzeug. Eine Kostenreduzierung um rund 30 Prozent sei hier das maximal erreichbare. Auch seien die Lithium-Vorkommen endlich. Eine neue Batterietechnik sei nötig, die weniger koste, aber eine größere Ladekapzität habe. Mit Steckdosen auf der Straße komme man nicht weiter. Hauptthema sei nach wie vor das nicht gelöste Problem der Energiespeicherung und auch der Energiegewinnung. Erst wenn die Speicherung von regenerativen bzw. der Sonnenenergie möglich sei, könne das E-Auto zum Standard werden.
Für neue innovative Konzepte spricht sich Michael Weltin (E.ON Energie AG, Strategie- und Geschäftsentwicklung im Projekt Elektromobilität) aus: Es würden in seinem Unternehmen bereits verschiedene Ladeoptionen bei E-Automobilen getestet. Er fordert eine Verknüpfung von guten Stromnetzen und moderner Kommunikationstechnologie. Innovative Lösungen müssten angedacht werden, Car-Sharing sei beispielsweise ein Option für die Zukunft. Damit könne man am Autohof die Fahrzeuge auch z.B. während des Tages aufladen, dies also zu Zeiten, in denen viel Sonnenenergie zur Verfügung stehe.
Für Prof. Dr. Franz Prexler (Hochschule Landshut, Fakultät Maschinenbau, Projektleiter MBL Hybrid) ist das Modell eines nur elektrisch getriebenen Fahrzeugs wenig realistisch, viel erfolgversprechender sei das Hybridkonzept, in dem ein Verbrennungsmotor für den Notfall oder als Rageexternder eingesetzt werde. Dem stimmen auch einige andere Teilnehmer zu, ein rein auf elektrischem Antrieb basierendes Konzept wie dies jetzt im sonnenverwöhnten Kalifornien umgesetzt werde, sei bei unseren Witterungsbedingungen zu anfällig.
Politisches Konzept gefragt
Von Seiten der Politik fordert Dr. Becker Unterstützung. Beim erwähnten Projekt in Kalifornien erhielten die Endabnehmer hohe Zuschüsse für den Kauf eines Elektrofahrzeugs. Auch das Thema Parkplätze sei von großer Bedeutung „Wo sollen in den Modellregionen Parkplätze in der Stadt herkommen, die einen Stromanschluss haben? Er spricht sich zusätzlich für eine intelligente Logistik aus, so könnten die Fahrzeuge z.B. selber anzeigen, wo ein freier Parkplatz oder ein Stau sei. Denn das Verkehrsaufkommen werde sich in Zukunft stark erhöhen, alleine bei den LKWs rechne man mit einer Zunahme um 50 Prozent.
Markus Blume (CSU, MdL und Unternehmer) sieht hier nicht die Politik in der Pflicht, man könne nicht überall Steckdosen im öffentlichen Raum verbauen. Er schlägt dagegen vor, große Arbeitgeber sollten die Möglichkeit für ihre Mitarbeiter schaffen, Strom zu tanken. Es seien neue Konzepte gefragt, „vielleicht können auch Kaufhäuser die Stromversorgung für ihre Kunden kostenlos anbieten,“ schlägt er vor. Für die Politik könne er sich eher vorstellen, z.B. ein grünes Nummernschild einzuführen.
Nestmeier regt an, eine spezielle Plakette einzuführen, mit der E-Fahrzeuge umsonst parken dürften. Man könnte schon heute einiges umsetzten, er ist der Meinung, dass bei 10 Millionen Pendlern durch Fördermaßnahmen die geforderten 1 Million E-Fahrzeuge eine erreichbare Zielgröße sei.
Als weitere Initiative der Politik könnte sich Dr. Krommes vorstellen, dass spezielle Möglichkeiten zur Abschreibung auf E-Fahrzeuge eingeführt werden könnten. Für sie wird auch im Jahr 2020 der Verbrennungsmotor dominieren, sie geht von rund 15 Prozent E-Fahrzeugen in diesem Zieljahr aus. Und dies verstärkt im hochpreisigen Segment.
Einig sind sich alle Diskussionspartner darin, dass man nicht auf die optimale Lösung warten könne. Auch wenn die jetzige Batterietechnik nicht zukunftsfähig sei, sei es aber notwendig, jetzt Know-how aufzubauen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Das bisherige Vorsprungswissen der deutschen Automobilindustrie habe auf dem alten Konzept des Verbrennungsmotors basiert. Es müssten jetzt alle Ressourcen und Kompetenzen zusammengefasst werden, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammenarbeiten, um auch auf dem Felder der E-Mobility eine Führungsrolle einnehmen zu können und so eine Abwanderung der Produktion in den Osten zu verhindern.
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