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Bei Diplomarbeit in Chile globales Denken gelernt

Zwei Landshuter Betriebswirtschaftsstudenten in Chile...Für ihre Diplomarbeiten verbrachten Christina Herndl und Andreas Beyer fünf Monate in Chile. In dem südamerikanischen Land lernten die beiden Betriebswirtschafts-Studenten der FH- Landshut Menschen, eine fremde Kultur sowie deren Lebensweisen kennen uns lernten global zu denken.

Einen gewissen „Pioniercharakter“ hatte die „Reise“ nach Chile schon. Denn Christina und Andreas waren die ersten Studierenden der Fachhochschule Landshut, die die neue Partnerschaft zur Universität Finis Terrae in Santiago nutzten. Sie konnten deshalb niemanden über bereits gemachte Erfahrungen fragen, manches blieb bis zum Abflug im Ungewissen. Hinzu kam, dass Christina noch nie für so lange Zeit von zu Hause weg war: „Ich hatte ein bisschen Angst und starkes Bauchgrippeln“ erinnert sich die 24-Jährige im Nachhinein an die Zeit vor dem Abflug. Ganz anders nahm Andreas die Reise in Angriff, der zuvor ein Auslandssemester in Indonesien absolviert hatte: „Ich bin da sorglos rangegangen, da ich durch Indonesien gewisse Vorstellungen hatte.“ Bauchgrippeln hin oder her, beide freuten sich, dass sie die „Reise“ in das fremde südamerikanische Land nicht alleine antreten mussten.

Von München, über Madrid, flogen die Diplomanden in 19-Stunden in die chilenische Hauptstadt Santiago. Auf der Suche nach einer Unterkunft fanden sie Zimmer in einem Studentenwohnheim. Hier trafen sie Studenten aus Mexiko, Norwegen, Finnland, Amerika, Italien, Australien, der Dominikanischen Republik und natürlich Chile. Hier lebten sie „mit der Welt Tür an Tür“. Und diese internationale Wohnatmosphäre bezeichnen die beiden als ihre schönste und wertvollste Erfahrung. „Dabei sind Bekanntschaften über Kontinente hinweg entstanden, die ein Leben lang halten werden“, wagt Andreas einen Blick in die Zukunft.

Christina Herndl vor einem riesigen Trucker zum Kupferabbau.Andere interessante Eindrücke bekamen die beiden Studenten bei mehrtägigen Ausflügen außerhalb von Santiago. Unter anderem reisten Christina und Andreas in den Norden Chiles, nach Chuquicamata in die Nähe von Calama in der Atacama-Wüste. Dort befindet sich der größte Kupfertagebau der Welt. Arbeiter mit riesigen Trucker, deren Reifen teilweise eine Größe von drei Metern haben, fördern Tausende Tonnen an Kupfer im Jahr – bei 30 Grad. Mit ganz anderen Wetterverhältnissen hatten die Studenten bei ihrem Ausflug in den chilenischen Süden zu kämpfen. Minusgrade waren an der Tagesordnung und Winterjacke Pflicht, die beiden überquerten die Anden.

Aber leider musste das Duo auch weniger schöne Erfahrungen machen. Andreas wurde mit seinem Fahrrad angefahren (er empfiehlt daher unbedingt bei einer längeren Reise eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen) und beide zusammen wurden an ihrem letzten Wochenende in Südamerika ausgeraubt: „Wir sind etwas blauäugig gewesen“, gibt Christina offen zu. An ihrem letzten Wochenende waren die Studenten abends alleine unterwegs. An sich nichts Schlimmes, das Problem lag viel mehr darin, dass sie sich in einem nicht ganz so sicheren Viertel aufhielten und dort als Ausländer sofort auffielen. Zwei Männer bedrohten die beiden und erbeuteten Christinas Brieftasche.

Andreas Beyer in den Anden.Der eigentliche Grund für den Aufenthalt in Chile waren aber die beiden Diplomarbeiten, die von Prof. Dr. Peter Preißler betreut werden, der auch den Kontakt nach Chile herstellte. Andreas forschte über das Thema: „Die Balanced Scorecard und deren Anwendung und Verwendung in Chile.“ Dafür schrieb er chilenische Firmen an und führte mit vier Unternehmens-Vorständen Interviews für seine Diplomarbeit.

Christina beschäftigte sich mit „der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Chiles im 19. Jahrhundert“. Dafür ackerte sie sich in Bibliotheken und Büchereien durch dicke Wälzer mit alter chilenischer Schrift. Die Studentin der Betriebswirtschaftslehre bemerkte dabei auch deutsche Einflüsse in der chilenischen Sprache. Worte wie „Kuchen“ oder ganz einfach „ja“ gibt es, nach ihrer Aussage, in beiden Wortschätzen.

Alles in allem war die Zeit in Chile für die beiden Landshuter Studenten eine „megageniale Erfahrung“, die sie nicht missen wollen. Vorerst werden die beiden aber nicht wieder zurück nach Chile reisen: Christina will in Deutschland arbeiten und Andreas andere Plätze der Welt sehen. Trotzdem empfiehlt er jedem Studenten, Auslandserfahrung zu sammeln, denn diese „fördern das globale Denken.“

Text: Sebastian Simon 

Updated: 31.10.2007
 
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