35 Jahre Fahrzeugtechnik am Objekt analysiert
Eine sehr anschauliche Möglichkeit, Fahrzeugtechnik im Zeitraffer zu erleben, hatten Landshuter Maschinenbaustudenten im Rahmen einer Übung im Schwerpunkt Fahrzeugtechnik: Die gesamte Golf-Baureihe hatte Prof. Jürgen Zimmer dafür für seine Studenten aufgeboten, um diesen u.a. Analysen zur Bedienungs- und Sichtkonzeption zu ermöglichen.
"Kompaktklasse im Wandel der Zeit" lautete der Titel der Veranstaltung und bot Gelegenheit, die Entwicklung der Fahrzeugtechnik vom Golf I (ab Baujahr 1974) bis Golf VI (ab 2008) am Objekt zu erleben. Die VW-Fahrzeuge stammten teilweise von Studierenden und ortsansässigen Autohäusern. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen die Bedienungsmöglichkeiten (genannt Bedienungskonzeption) und die Sichtkonzeption (Entwicklung der Rundumsicht).
Rundumsicht zu Gunsten von Aerodynamik und Sicherheit eingeschränkt
"Hat man die Fahrzeugmodelle alle tatsächlich vor sich, begreift man die Entwicklungen ganz anders als in der reinen Theorie" ist MB-Student Markus Schiffler von der Übung überzeugt. So könne man beim Platznehmen als Fahrer in den verschiedenen Wagen verfolgen, wie sich von Fahrzeugmodell zu Fahrzeugmodell die Rundumsicht verändert hat: Sie wurde bei neueren Fahrzeugen eingeschränkt. Gründe hierfür sind Ansprüche an die Aerodynamik und die Sicherheitskonzeption der heutigen Karosserien.
Während bei einem Fahrzeug der 70er Jahre eine klar definierte Sicht nach hinten vorhanden war, ist diese bei den heutigen Fahrzeugen nur eingeschränkt möglich. Aber auch der Blick nach vorne, früher waren Peilkanten z.B. der Kotflügel erkennbar, wird heute durch die erforderliche Aerodynamik für den Fahrer unbefriedigender gelöst. Deshalb verhindern jetzt akustische Warnsignale Rempeleien, die in höheren Ausstattungsvarianten mit Rückfahrkameras kombiniert sind. Optimiert wurde dagegen das Scheibenwischerfeld, d.h. bei Regen schafft der Wischvorgang ein deutlich größeres Sichtfeld auf der Windschutzscheibe als früher.
Stark erhöhte Anzahl von Bedienelementen erforderte neue Konzepte
Auch die Bedienungskonzeption unterlag im Laufe der Zeit starken Veränderungen. Der Fahrer soll in der Lage sein, alle wichtigen Bedienelemente zu erreichen, ohne große Oberkörperbewegungen durchzuführen. Von Modell zu Modell wurden immer mehr Bedienelemente bzw. Funktionen eingeführt: von der Nebelschlußleuchte, der effizienten Belüftungsanlage mit Heckscheibenheizung, über Scheinwerfer-Höhenregulierung und Anzeigen-Leuchtweitenveränderung, Außenspiegelverstellung und elektrische Fensterheber, bis hin zur Klimaanlage, der verstellbaren Lenksäule und der Tankklappen-Entriegelung. Und fast alle Bedienelemente sind im Hand-Reichweitenbereich des Fahrers untergebracht. Auch die Schalter selbst haben sich verändert. Während sie früher geschoben, gedrückt oder gezogen (z.B. Licht, Heizung,Belüftung oder Choke) wurden, werden die heutigen Schalter meistens durch Drehbewegungen bedient, um mehr Funktionen auf kleinem Raum zu ermöglichen.
In der Fahrzeug-Kompaktklasse erfolgte Anfang der 90er Jahre die Anordnung der Bedienelemente erst ähnlich einem Flugzeugcockpit: rund um den Fahrer herum, abgestimmt auf dessen Reichweite, wobei die vorderen Sitze eine vielfache Verstellungsmöglichkeit erfuhren. Ab Ende der 90er Jahre wurde dieses Innenraumdesign für die vorderen Sitze etwas abgewandelt, auch um dem Beifahrer noch höheren Komfort zu bieten: Die Anzeigeninstrumente und Bedienteile wurden zur Beibehaltung der Reichweitenkontur enger zusammengefasst und die Mittelkonsole trat stärker in den Vordergrund. Gerade in der Kompaktklasse geschah dies speziell ab ca. Mitte 2000. Ab diesem Zeitpunkt wurden auch Bedienelemente, wie z.B. Sitzheizung oder Belüftung/Klima, separat für den Beifahrer aufgenommen. Heute beinhaltet die Konsole zusätzlich auch Displays für die die Rückwärtsfahrt, Lenkeinschlag und optische/akustische Warnsignale bei zu geringer Distanz.
"Mit dem Überblick über die verschiedenen Entwicklungsstadien versteht man die aktuelle Fahrzeugtechnik erst richtig" ist Studentin Xenia Kreßner überzeugt. "Jetzt wird mir klar, warum die Autos immer teurer und schwerer werden" erklärt Christoph Steckermaier mit Blick auf die 35 Jahre Fahrzeuggeschichte und die zahlreichen zusätzlichen Ausstattungsmerkmale heutzutage.
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