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"Bairisch" - eine Kultursprache

Das Bairisch eine Kultsprache ist, betonte Gerald Huber bei seinem Vortrag. Zu einem augenzwinkernden Streifzug durch "das Bairische" im Vergleich zur Sprache „der anderen“ hatte die Hochschulgemeinde sowie das Sprachenzentrum der Hochschule eingeladen. Unter dem Titel „Lecker derbleckt“ plädierte Gerald Huber, bekannt durch seine "Kleine Bairische Wortkunde" auf Bayern 2, auf unterhaltsame Art für mehr Selbstbewusstsein im Umgang mit der Bayerischen Sprache.

Im mit über 100 interessierten Gästen gefüllten Hörsaal, darunter viele Landshuter Bürger, erklärte der studierte Sprachwissenschaftler Huber die historischen Begebenheiten die zur besonderen Entwicklung des Bayerischen führten: Der starke römischen Einfluss habe in den ehemaligen nördlichen Provinzen (heute Österreich, Bayern, Frankreich und auch England) einen relativ einheitlichen Sprachraum geschaffen, während sich weit jenseits des Limes (damaliger Verlauf durch Regensburg) andere Einflüsse wie z.B. das „Platt“ durchgesetzt hätten.

Von da Butta und da Semme

Beispiele für Bayerische Besonderheiten seien zahlreich und Huber vermittelt sie mit großem Unterhaltungswert. So sei die Butter in allen ehemalig lateinischsprachigen Gebieten männlichen Geschlechts, italienisch „Il burro“ , französisch „le beur“. Während es im Deutschen „die“ Butter heiße, verwende auch das Bayerische mit „da Butta“ die männliche Form. Oder die Bezeichnung für Kleingebäck, die in Bayern „Semme“, nach dem lateinischen „simila“ (= feinstes weißes Mehl) genannt werde und sprachlich absolut nichts zu tun habe mit einem „Brötchen“.

Ebenfalls typisch sei das o/tatschn (antatschen, anfassen), wenn man sich wieder die entsprechenden Begriffe der gesamtrömischen Nachbarländer ansehe: Ausgehend vom lateinischen „tangere“, gabe es „toccare“ im Italienischen,  „toucher“  in Frankreich und „touch“ im Englischen.
Die bairische „Muich“ (Milch) komme von „mulgere“(melken) und eine „Brezn“ habe zu tun mit den „Bratzn“ (Arme), auf römisch „brachium“, vgl. „brace“ (umarmen, uk)/ „les bras“ (fr.), da eine Brezel, die schon zu der Zeit die zum Beten vor dem Körper verschlungenen Arme symbolisieren sollte.

Siegeszug des Bairischen

Voller Hörsaal beim von HSG und Sprachenzentrum organisierten Vortrag.

Huber stellt auch einen Siegeszug des Bairischen im gesamtdeutschen Sprachgebrauch fest: Zahlenhauptworte (wie z.B. „die Zwei, die Vier“) würden zwar in nördlicher Manier als weiblich angesehen, das funktioniere aber nur bis zur Neun. Ab da werde die bairisch-männliche Zählweise übernommen, also „der Zehner“, „der Zwanziger“.

Abschließend machte Huber die Gäste noch auf eine besondere preußische Okkupation aufmerksam, die jedem gestandenen Bayern wie ein Stachel im Fleisch sitzen müsste: „da Zugspitz“ im tiefsten Mutterland werde „die Zugspitze“ genannt.

Ein unterhaltsamer, aber auch anspruchsvoller Abend, der Selbstbewusstsein für den Umgang mit der bayerischen Muttersprache stiften wollte. Schließlich sei "Bairisch" die älteste deutsche Sprache und sogar eine der ältesten lebenden Kultursprachen Europas.

Gerald Huber hat Geschichte und Sprachwissenschaften studiert und ist seit rund 20 Jahren Rundfunkjournalist. 1990 wurde er mit dem Altbayerischen Medienpreis der Stiftung Aventinum ausgezeichnet. Seit November 2007 betreut er die Sendereihe „Zeit für Bayern“ in Bayern 2. Gerald Hubers "Kleine Bairische Wortkunde" ist seit über vier Jahren auf Bayern 2 zu hören.

Text und Fotos: Vlad Craciunescu

Updated: 23.11.2009
 
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