Lutz Herkenrath plädiert für Aggression als Kraftquelle
Für den kontrollierten Einsatz von Aggressionen im Managementbereich
sprach sich Schauspieler und Management-Trainer Lutz Herkenrath bei
seinem Vortrag „Die Peperoni-Strategie“ an der Hochschule Landshut vor
rund 200 Zuhörern aus. Auf Einladung der Studentenvertretung plädierte
Herkenrath, Träger des Deutschen Comedy-Preises und bekannt aus Theater
und TV-Serien wie „Sonntag & Partner“ und „Ritas Welt“, auf
unterhaltsame aber auch fundierte Weise dafür, die Kraftquelle der
Aggressionen zu nutzen.
Entwickelt hat das Konzept der „Peperoni-Strategie“ der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Jens Weidner, mit dem Herkenrath eng zusammenarbeitet. Kurioser Weise sei Prof. Dr. Weidner ursprünglich Leiter eines Anti-Aggressions-Programms für Hooligans und Gewaltverbrecher gewesen, ehe er vor rund 15 Jahren die Anfrage bekommen habe, für Führungskräfte das gleiche zu machen – nur umgekehrt. „Quasi ein -Pro-Aggressions-Programm, da viele Führungskräfte häufig damit beschäftigt seien, mit Mitarbeitern Kaffee zu kochen und sich keinesfalls unbeliebt zu machen,“ wie Herkenrath erklärte.
„Die Peperoni-Strategie“, basiere auf einem Interviews mit 550 hocherfolgreichen Führungskräften, die zu Aggressionen in ihrem Beruf befragt wurden und zu sehr ähnlichen Einschätzungen gelangten: Es sei zwar richtig, dass der Umgang im Büro zu neunzig Prozent aus Empathie, Teamgeist und Harmonie bestünde, aber etwa zehn Prozent Biss und Schärfe müssten sein. „Wenn sie der Sehnsucht nachgeben, von allen gemocht zu werden, werden sie kein Chef,“ fasst Herkenrath zusammen.
Jeder trage aggressive Anteile in sich. Statt diese sinnvoll einzusetzen, würde zu viel Energie darauf verwandt, die Aggression zu unterdrücken. Dabei bekämen Mitmenschen unsere aktuelle Stimmungslage weit besser mit, als wir es glauben: „Und wenn sie das sowieso bemerken, dann kann man sich die Maskerade auch gleich sparen,“ ist Herkenrath überzeugt. Der Punkt sei nur, dass man klar und kalkuliert mit Aggressionen umgehen müsse. „Das Unschuldslämmchen ist genauso überzüchtet wie der Pitbull,“ erklärt er.
Herkenrot plädiert gerade im Berufsleben für einen gesunden Einsatz der
Ellenbogen. Bei der Planung für eine erfolgreiche Karriere unterläge man
oft falschen Annahmen. So sei es falsch, anzunehmen, man bräuchte kein
„Vitamin B“, man könnte es auch alleine schaffen, weil sich Qualität
früher oder später durchsetze. Der Glaube, perfekte Arbeit mache einen
im Unternehmen unangreifbar oder mit Freundlichkeit komme man am
weitesten, seien ebenso hinderlich, wie die Überzeugung, demokratisch
getroffene Entscheidungen würden die besten Ergebnisse liefern.
Dem gegenüber stellte er Erfolgsregeln für „Alphamännchen“ auf. So solle man nur Spielen, um zu gewinnen, oder es einfach bleiben lassen. Wichtig sei es auch, die drei „Bs“ zu beherrschen: Blenden, Bluffen, Beeindrucken. Zusätzlich solle man seine Freunde - aber auch seine Feinde - kennen und es verstehen, die Schwächen der Anderen zu nutzen. Dabei solle man sich jederzeit im Klaren sein, „wer oben und wer unten ist,“ Nörgler, ewige Bedenkenträger und Loser seien grundsätzlich zu meiden. Dabei sei es insgesamt wichtig, immer das eigene Gesicht zu wahren, dies aber auch dem Gegenüber zu ermöglichen.
Das größte Hindernis beim richtigen Biss im Berufsleben seien aber „Schuld- und Selbstvorwürfe, die jeder Mensch mit sich trägt“. Selbstreflektiertes und objektives selbstkritisches Verhalten seien der Schlüssel zu wahrem Selbstbewusstsein, zur richtigen Schärfe und zum beruflichen Erfolg.
Text: Vlad Cracianescu
