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Einblicke in die Jugendhilfe in Glasgow

Studienfahrt nach Schottland ermöglicht Studierenden neue Perspektiven

Beim Besuch der Einrichtung Einen Einblick in die Praxis der schottischen Kinder- und Jugendhilfe verschaffte sich eine Gruppe von fünfzehn Studierenden der Fakultät Soziale Arbeit. Integriert war die aus Studienbeiträgen finanzierte Studienfahrt in das Seminar Handlungs- und Berufsfelder der Kinder- und Jugendhilfe. „Unsere Fakultät hat sich zum Ziel gesetzt, unseren Studierenden eine internationale Perspektive auf ihr Studienfach zu eröffnen und Einblicke in die Praxis in anderen Ländern zu ermöglichen“, erklärt Prof. Dr. Mechthild Wolff, die Dekanin und Organisatorin der Studienfahrt.

Aus diesem Grund war bereits im Dezember 2008 Andrew Hosie vom Social Work Department der Strathclyde University in Glasgow an der Hochschule Landshut und stellte das schottische Jugendhilfesystem vor. Hosie, der an dem Scottish Institute for Residential Child Care (SIRCC) der Universität den Weiterbildungsbereich leitet, hatte zum Gegenbesuch eingeladen und ein interessantes und dichtes Programm für die Studiengruppe zusammengestellt. Dabei stellt das SIRCC an sich schon eine Besonderheit dar: Es ist national das einzige und international ein einzigartiges Institut, das sowohl die Ausbildung als auch die Weiterqualifizierung von Fachkräften in Heimeinrichtungen für Kinder und Jugendliche spezialisiert betreibt.

Auf dem Programm der Studienreise stand am ersten Tag ein Besuch an der Universität mit einer Besichtigung der Fachbibliothek, die fast 5.000 Titel nur zum Thema Heimerziehung aufweist. Am zweiten Tag besuchte die Gruppe zwei Einrichtungen: die katholische Geilsland School in Beith sowie die Einrichtung Spark of Genius, eine privatwirtschaftlich betriebene Sozialeinrichtung. Bei den Besuchen und durch die offenen Gespräche mit den Jugendlichen konnten die Studierenden einen realistischen und authentischen Eindruck von der Jugendhilfe vor Ort bekommen.

Beide Einrichtungen arbeiten mit Jugendlichen, die Drogenkarrieren hinter sich haben, Missbrauchserfahrungen, Gefängnisaufenthalte und Prostitution. In den Einrichtungen erhalten die stark traumatisierten Jugendlichen eine letzte Chance, da sie sonst im Strafvollzug oder auf der Straße landen würden. Beeindruckend waren die Einrichtungen, weil sie mit einem erheblichen personellen Aufwand und einer Viel-zahl von therapeutischen, kreativen und lebenspraktischen Hilfestellungen die Jugendlichen versuchen zu fördern. Ziel ist es, ihnen eine realistische Zukunftsperspektive zu ermöglichen.

Viele Jugendliche benötigen grundlegende Kompetenz, wie Ausdauer und Zuhören können, darum wird in beiden Einrichtungen eine „Pädagogik der kleinen Schritte“ umgesetzt. Eine Einrichtung hat für sich den Slogan „Every second counts!“ entwickelt. Angesichts der gravierenden sozialen Probleme von schottischen Jugendlichen war es nicht verwunderlich, dass das Interesse an einer effektiven Jugendhilfe in Schottland sehr hoch ist.

Am dritten und letzten Programmtag hatte die Gruppe die Chance, von einer Fachkraft aus dem Jugendamt in Glasgow direkt zu erfahren, wie man in Schottland bei  Kindeswohlgefährdungen vorgeht. Die Gruppe erfuhr in dem praxisnahen Bericht, dass Schottland sich durch ein dichteres Netz von Hilfsmöglichkeiten auszeichnet. Das enge Hilfsnetzwerk bringt andererseits aber mehr und intensivere Kontrolle für Familien insgesamt mit sich.

Nach intensiven kontroversen Gesprächen ging es am Nachmittag in den Stadtteil Govan. Dieser steht auch für andere Stadteile, in denen sich die massiven sozialen Probleme konzentrieren. Das Interessante war hier ein engagiertes Kunstprojekt, das auf künstlerische Weise Menschen mobilisieren und die Talente von Menschen fördern will. Durch die Kunst wurden bereits für einige Personen des Stadtteils Jobs geschaffen und ihnen so eine neue Lebensperspektive gegeben. Finanziert wird das Projekt mit 10 MitarbeiterInnen durch Fundraising-Aktionen.

Neben dem fachlichen Programm hatte die Gruppe ausreichend Gelegenheit die Stadt Glasgow mit den vielen Museen, Kunstausstellungen und seiner einzigartige Architektur zu besichtigen. Einige der Studierenden nutzten die Zeit für einen Abstecher nach Edinburgh, um so neben den Einblicken in die Soziale Arbeit ihre Eindrücke von Schottland noch zu intensivieren.

Updated: 23.11.2009
 
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