PC- und Internet-Nutzung hinterlässt viele Spuren
Über die zahlreichen Spuren, die jeder Nutzer im world wide web und auch auf seinem Computer hinterlässt, klärte Informatik-Professor Dr. Peter Scholz im Rahmen der Vortragsreihe "HSG-Plattform" auf. Der gerichtlich bestellte Sachverständige für den Bereich Informationsverarbeitung gab bei seinem Vortrag zum Thema „Gefahren im Internet - Welche Spuren bleiben auf meinem Computer oder sonstwo“ wertvolle Tipps für den richtigen Umgang.
Welche weitreichenden Bedeutung solche Daten-Spuren haben können, zeigte Prof. Dr. Scholz am Urteil vom Mord an der Münchener „Parkhausgräfin“ Charlotte Böhringer. Es sei ein reiner Indizienprozess gewesen, der Angeklagte habe nie ein Geständnis abgelegt. Bei der Verurteilung des Neffen hätten Spuren auf dessen PC eine sehr wichtige Rolle gespielt.
Daten gelöscht - nicht wirklich!
Das Vernichten von elektronischen Daten sei tatsächlich eine schwierige Angelegenheit. Dabei räumt Prof. Dr. Scholz mit einer weit verbreiteten Meinung auf: Wer Dateien über einen Klick auf die rechte Maustaste „löscht“ oder sie in den Papierkorb verschiebt und diesen anschließend leert, habe erst mal gar nichts gelöscht. In Wirklichkeit habe man so nur vor den Dateinamen systemintern ein $-Zeichen eingetragen und die Datei damit zum Überschreiben freigegeben. Wann diese Überschreibung erfolgt und wie viel wirklich überschrieben werde, könne nicht beeinflusst werden und es dauere meistens Monate bis Jahre.
Die fragwürdige Sicherheit eines solchen Löschvorgangs verdeutlichte Prof. Dr. Scholz an folgendem Beispiel: „Sie lesen ein Buch, und beschließen, dass sie die Seiten 100 bis 120 löschen wollen. Also nehmen sie einen Stift und setzen im Inhaltsverzeichnis ein $-Zeichen vor den entsprechenden Teil. Nicht sehr sicher, oder?“ Zur sicheren Überschreibung dieser zum Löschen freigegebenen Dateien empfehlt er Programme wie „Eraser“, die problemlos und kostenfrei heruntergeladen werden könnten und die zu löschenden Daten wirklich überschreiben würden.
Viele Spuren im WWW
Auch bei der Nutzung des Internets blieben viele Spuren zurück. Grundsätzlich seien die Provider aufgrund des Telekommunikationsüberwachungsgesetzes zur Vorratsdatenspeicherung für mindestens 6 Monate verpflichtet. Somit sei jeder User aufgrund seiner IP-Adresse identifizierbar, das gelte auch für dynamische, sich ändernde IP-Adressen.
Wirklich unerkanntes Surfen sei nur über anonymisierende Proxyserver wie P3P, TOR oder JAP möglich. Das Funktionsprinzip dahinter sei, dass der User nicht über einen Server ins Netz geht, sondern viele Server weltweit hintereinander durchlaufen werden und teilweise auch Privat-PCs als Zwischenstufen (Mixkaskaden) benutzt werden, wobei an jeder durchlaufenen Stufe die IP-Adresse geändert werde. Durch diese Prozedur senkt sich die Geschwindigkeit der Verbindung allerdings stark ab, und selbst kostenpflichtige Versionen seien von der Datenübertragungsrate her eher mit ISDN als mit DSL vergleichbar.
Um eine wirklich anonyme E-Mail zu versenden, müsse ein sog. „Remailer“ benutzt werden, welcher die verfasste Mail aufnimmt, in Stücke zerschneidet, diese einzelnen Stücke etwa 12 Stunden durch das Internet schickt, sie dann wieder zusammensetzt und dem angegebenen Empfänger ohne Angabe des Absenders zukommen lässt. Der Absender solcher Mails könne auch mit modernster Technik (noch) nicht aufgespürt werden.
Weitere Fundgruben für Informationen über den persönlichen Internetgebrauch befänden sich auch auf dem eigenen PC: Temporary Internet Files, index.dat, history.dat, cookies, Favoriten usw. gäben dem interessierten Betrachter sofort preis, zu welcher Uhrzeit welcher Benutzer welche Website wie lange besucht und sich dort wie verhalten hätte. Teilweise seien diese Aufzeichnungen auch nicht löschbar.
Abschließend verglich Prof. Dr. Scholz die Versendung von E-Mails mit konventionellen Postkarten: Man solle nichts über Mail mitteilen, das nicht auch vom Briefträger oder sonstigen Personen gelesen werden dürfe. Denn von der Vertraulichkeit her bestünde kein großer Unterschied. So müsse man bei elektronischer Korrespondenz am Arbeitsplatz fest damit rechnen, dass Vorgesetzte sie gelegentlich durchläsen, entsprechende Klauseln seien standardisierter Bestandteil der meisten Arbeitsverträge. Die Zahl der hinterlassenen Spuren bei Computer- und Internet-Nutzung ist also insgesamt beträchtlich, mit den wertvollen Tipps des Informatik-Professors lassen sie sich allerdings minimieren.
