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Jugendliche mit Engagement aus dem Abseits in den Arbeitsmarkt führen

Die Veranstalterinnen Prof. Dr. Mechthild Wolff (FH Landshut), Maria Amtmann (Agentur für Arbeit Landshut) und Ingrid Schmidt (bfz).Die Fachtagung „Berufliche Chancen für Jugendliche im Abseits“ an der Fachhochschule Landshut verstand sich als „Ideenbörse“ für verschiedene Modelle, die alle ein Ziel verfolgten: die berufliche Integration von Jugendlichen.

Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit in Landshut fasste die Lage zusammen: Trotz anziehender Wirtschaftskonjunktur, sinkenden Arbeitslosenzahlen und einer steigenden Zahl an Ausbildungsstellen gelänge einem Teil der Jugendlichen kein erfolgreicher Einstieg in den Arbeitsmarkt. „Teilweise können Sie die ständig steigenden Anforderungen in den Ausbildungsberufen nicht erfüllen, Migrationshintergrund verbunden mit fehlenden Sprachkenntnissen oder ein fehlendes soziales Umfeld“ seien Gründe hierfür, wie Amtmann erklärt.  „Für unsere Gesellschaft ist es wichtig, diese Jugendlichen zu integrieren“ stellt Amtmann fest, „aber wie beginnen, wer soll anfangen, wenn das Elternhaus jahrelang versagt hat?“ fragt sie in die Runde. Das Problem von „Jugendlichen im Abseits sei nicht mit einem Pfiff wie im Fußball zu beseitigen fügt Hansgeorg Falterer, Kanzler der FH Landshut  hinzu.

Beispielhafte Ideen und Projekte hierfür zeigte die Tagung auf, "sie ist als Austauschforum für alle gedacht, die sich für solche Jugenliche einsetzt“, wie Ingrid Schmidt, Leiterin der Beruflichen Förderungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) erklärt. Dabei lag laut Prof. Dr. Mechthild Wolff (Dekanin Fakultät Soziale Arbeit der FH Landshut) der  „Dialog im Mittelpunkt“, Netzwerkbildung und Nachahmung seien erwünscht. Etwa 100 Interessierte aus allen relevanten Bereichen waren vertreten, um erfolgreiche Projekte und Strategien zu diskutieren.

Hoher Praxisgehalt besonders erfolgversprechend

Staatssekretär Jürgen W. Heike bei seinem GrußwortIn seinem Grußwort wies Staatssekretär Jürgen W. Heike (Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen) darauf hin, dass die Situation von Jugendlichen oft besonders schwierig sei, wenn die Vorbildfunktion der Eltern fehle, beispielsweise bei Langzeitarbeitslosen. Über 20.000 Jugendliche an den Berufsschulen in Bayern hätten keinen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Um diese Jugendliche aus dem Abseits zu führen, seien zusätzliche Anstrengungen nötig. Geholfen sei den Jugendlichen dann, wenn sie langfristig in eine Ausbildung oder in den ersten Arbeitsmarkt integriert seien. Dabei sei eines deutlich: „je höher der Praxisgehalt der Maßnahmen, desto größer sind die Erfolgsaussichten,“ so Heike. Deshalb hätten z.B. die Praxisklassen der Hauptschulen so großen Erfolg, die den Jugendlichen oft die Chance auf einen regulären Ausbildungsplatz schaffen würden. Betriebe, die Jugendliche aus Praxisklassen ausbilden, würden mit einem Einmalbetrag von 2.500 Euro gefördert. Rund 15.000 zusätzliche Ausbildungsplätze für Jugendliche in schwierigen Situationen seien seit 2004 mit dem Programm "Fit for Work" gefördert werden.

Die Praxisklassen als Weg aus dem Abseits stellte Dr. Nora Gaupp (DJI) vorDas DJI (Deutsches Jugendinstitut, München) hat das Modell der Praxisklassen an bayerischen Hauptschulen wissenschaftlich begleitet und belegt den guten Erfolg. Wie Referentin Dr. Nora Gaupp ausführte, hatten 2 Jahre nach dem Verlassen der Klasse rund 2/3 einen Ausbildungsplatz, zumeist in dem Betrieb, in dem sie ihr Praktikum absolviert hatten und die Abbrecherquote sei mit rund 10 % besonders gering. Dabei sei für die Jugendlichen neben den praktischen Erfahrungen besonders ein Ansprechpartner wichtig, mit dem man über die berufliche Situation sprechen könne, 58% der Jugendlichen würde ein solcher Ansprechpartner fehlen.

Persönliches Engagement als Voraussetzung 

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde die besondere Bedeutung des freiwilligen Engagements betont. Das Unternehmen Kühne & Nagel (Dingolfing) betreut so z.B. eine Hauptschul-Abschlussklasse, um die Jugendlichen an den Arbeitsmarkt heranzuführen und bietet ihnen zehn Ausbildungsplätze, die Handwerkskammer habe sog. „Ausbildunsmatcher“ eingestellt, die richtige Bewerber und Betriebe zusammenführen. Bei allen Initiativen von Privatpersonen, Unternehmen oder Verbänden sei das persönliche Engagement Einzelner unerlässlich, um die Integration der Jugendlichen voranzutreiben. Nur so könnten Probleme wie z.B. ein langjähriger Sozialhilfe-Background oder mangelnde Sprachkenntnisse ausgeglichen werden.

Monika Weinl, Niederbayerische Vize-Regierungspräsidentin ruft alle Anwesenden auf, „Jugendlichen eine Chance zu geben, um für diejenigen, die wollen aber nicht richtig können, Perspektiven  zu schaffen". Man müsse Ausbildungs- und Arbeitsplätze auch für diejenigen schaffen, die keine großen Leistungsträger seien. Landshuts Oberbürgermeister, Hans Rampf, regt an, dass z.B. neben der Ausbildung zum Koch, von dem auch Kenntnisse in der Betriebswirtschaft und Ernährungswissenschaft verlangt würden, einen sog. „Beikoch“ auszubilden. Diese Ausbildung müsse niedrigeren Ansprüchen gerecht werden, bei Eignung könne es der Beikoch auf dem Weiterbildungsweg auch zum Chefkoch bringen.

Die Teilnehmer/innen der Podiumsdikussion betonten die Bedeutung des persönlichen Engagements.Es gäbe viele Töpfe, um  Projekte zur Integration von Jugendlichen zu fördern, wie Weinl weiter erklärt. So könnten Jugendlichen z.B. in Landshut jetzt den Quali über die VHS nachholen. Zusätzlich übe die Regierung eine wichtige Schnittstellenfunktion aus, in der Kontakte hergestellt und so Projekte ermöglicht würden. Allerdings könnten gesellschaftliche Defizite nicht durch Schule und Staat alleine abgedeckt werden.

Bestehende Initiativen als Beispiel zum Nachmachen 

Einige Initiativen, die verhindern wollen, dass Jugendliche ins Abseits geraten, wurden auf der Tagung vorgestellt. In Landshut betreibe „AnS-Werk Landshut e.V.“ mittlerweile drei Kaffees, in denen mit großem Erfolg speziell weniger leistungsfähigen Jugendlichen die Möglichkeit geboten wird, praktische  Erfahrungen zu sammeln. Die Gemeinde Loiching will mit einer Kommunalen Initiative alle Jugendlichen eine Beschäftigung vermitteln. Ähnliche Ziele verfolgen auch die Trägerinitativen von „Global Sozial e.V. Aschaffenburg“ oder das „Theaterprojekt bfz Ravensburg“.

Die Veranstalterinnen hoffen, mit der Fachtagung Anregungen für Projekte gegeben zu haben, die Jugendliche den Weg in den Arbeitsmarkt ebnen wollen. Gewünscht hätten sie sich etwas mehr Resonanz von Seiten der Wirtschaft. Auf diese hoffen sie bei einer Fortsetzung der Veranstaltung, die von vielen Teilnehmern/innen gefordert und die ins Auge gefasst wurde.

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Updated: 16.04.2008
 
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