Schulische Herausforderungen erfolgreich bewältigen – Prüfungssituationen meistern
Ein Schulwechsel birgt neue Herausforderungen und neue Problemstellungen. Dies trifft insbesondere für Eltern zu, deren Kind z.B. gerade von der Grundschule ins Gymnasium oder die Realschule gewechselt ist. Lernstrategien und praxistaugliche Tipps bot die vom Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Landshut organisierte Veranstaltung „Schulische Herausforderungen erfolgreich bewältigen – Prüfungssituationen meistern“ im Audimax der Fachhochschule Landshut.
Rund 350 Eltern waren der Einladung des Arbeitskreises in Zusammenarbeit mit den Landshuter Schulen gefolgt. Dieter Frohwein, Vorsitzender des Arbeitskreises, begrüßte die Teilnehmer und erläuterte den Zweck der Veranstaltung: "Wir wollen die Schulen in ihrer Zusammenarbeit mit den Eltern unterstützen und den Eltern zusätzliche Informationen geben, wie Sie den Umgang mit den neuen Herausforderungen ihrer Kinder in der Schule besser bewältigen können".
Die beiden Referentinnen Hildegard Kolmeder und Isabell O´Connor, beide Schulpsychologinnen der staatlichen Schulberatungsstelle für Niederbayern und als Lehrerinnen in ihrer täglichen Praxis mit der Thematik vertraut, führten mit einem Gedanken von R. Miller ins Thema ein: "Prüfungen messen das, was die Angst übrig lässt."
Um diese Angst bekämpfen zu können, sei die unerlässliche Voraussetzung eine gute Vorbereitung des Prüfungsstoffs. Nur wenn diese Grundvoraussetzung eingehalten werde, könne man gezielt daran gehen, Prüfungssituationen erfolgreich zu bewältigen. Im Verlauf des Abends wurde den Eltern aufgezeigt, wie sie Ihre Kinder beim Lernen und auch beim Bekämpfen der Prüfungsangst unterstützen können.
Dabei komme es vor allem darauf an, das Lernen zu planen, den Tagesablauf und die jeweilige „Lerndosis“ zum Beispiel schriftlich an einer Pinnwand oder einem großen Plakat an der Kinderzimmertür oder auch am Kühlschrank zu fixieren. Nur so könne man vermeiden, dass abends plötzlich festgestellt werde, dass weder Biologie noch Erdkunde gelernt seien, obwohl Schulaufgaben anstünden. „Wenn Schüler unter großen Zeitdruck geraten, ist Panik vorprogrammiert“ erklärt Kolmeder. Als hilfreich habe sich auch erwiesen, zwischen mündlichen und schriftlichen Hausaufgaben abzuwechseln, um vor allem die mündlichen Lerninhalte besser im Gedächtnis zu verankern. Die einzelnen "Übungsportionen" sollten einen Zeitumfang von 30 Minuten nicht überschreiten, um ein Überlernen zu verhindern. Es gilt also die Devise: lieber kürzer, dafür häufiger üben.
Am Tag vor der Schulaufgabe sollte ein Kind im Idealfall nicht mehr üben müssen, sondern den Lernstoff so beherrschen, dass ein kurzes Wiederholen des Gelernten genügt. Wer bis zur letzten Minute lernt, läuft Gefahr, seine Aufregung zu steigern. An einem Alltagsbeispiel demonstrierten die Referentinnen, wie sich mit Hilfe geeigneter Merkstrategien, wie z.B. verknüpfen mit Bildern, Lernstoff leichter behalten lässt. Dies konnten die Eltern in einem Selbstversuch ausprobieren. Als besonders effektiv fürs Vokabel lernen habe sich dabei der "Vokabelkasten" erwiesen. Hier könne man die aktuell zu lernenden Wörter mit altem Stoff mischen oder die Karten mit grafischen Merkhilfen versehen, um die Sicherungsleistungen zu steigern.
Um die anwesenden Eltern das Gefühl der Prüfungsangst nachspüren zu lassen, unternahmen die Referentinnen ein kurzes Experiment: Die Eltern wurden aufgefordert, zu einem vorgegebenen Sinnspruch vor dem Plenum zu referieren. Nach einer 3-minütigen Vorbereitungszeit sollte per Zufallsprinzip ein Teilnehmer dazu bestimmt werden. Die Erwachsenen reagierten auf diese Stresssituation ähnlich wie Schüler in Prüfungssituationen: mit beschleunigtem Pulsschlag, Zittern und schweißnassen Händen.
Die Bewältigung von Angstsymptomen sei auf verschiedenen Ebenen möglich. Zur Milderung der körperlichen Symptome sei das Erlernen einer Entspannungstechnik gut geeignet. Diese kann helfen, den Stress während der Prüfungsvorbereitung zu verringern und im besten Fall lässt der Schüler sich dann auch in der Stresssituation nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Auf der kognitiven Ebene sei es wichtig, negative Gedanken ("Ich kann Mathe sicher wieder nicht!") durch positive zu ersetzen und so dem Kind Mut zuzusprechen. Das kann auch bedeuten, dem Kind immer wieder zu verdeutlichen, „du hast gelernt, du bist vorbereitet, du hast verstanden, worum es geht, also wirst du es schaffen.“
Auch ein realistisches Anspruchsniveau und das wiederholte Durchspielen der Prüfungssituation in Gedanken trage zu einer Entspannung bei. Wer sich gedanklich auf die anstehende Prüfung einstellt, macht sich mit der besonderen Situation vertraut und verringert seine Ängstlichkeit. Für die aufregenden Minuten vor der Prüfung sei z.B. Ein- und vor allem tiefes Ausatmen oder das Ballen und anschließende entkrampfende öffnen der Faust stresslösend. Veranstalterin Elisabeth Vaum entlässt die anwesenden Eltern mit dem Appell zum dauerhaften Lernen mit ihren Kindern „nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten“.
