Aus Klöstern in die Welt - 25 Jahre Deutsch-Französisches Hochschulseminar Strasbourg - Landshut
Die Hochschule Landshut war noch ganz jung, da regte sich schon Abenteuerlust. Noch war studentische Mobilität – schon gar an Fachhochschulen - keine Selbstverständlichkeit, noch gab es kaum Programme zu ihrer Förderung, noch keine Akademischen Auslandsämter innerhalb der Hochschulen zur Organisation. Aber es gab engagierte Professoren und interessierte Studenten in der Betriebswirtschaft.
Frankreich als damals wie heute wichtigster Handelspartner Deutschlands schien geeignetes Terrain zur Partnersuche. Um keine zu hohen sprachlichen Hürden aufzubauen, führte der erste Schritt dahin, wo Frankreich auch ein bisschen deutsch ist: ins Elsass. Am IUT (Institut Universitaire de Technologie) an der Université Robert Schuman in Strassburg fanden die frankophilen Niederbayern ebenso begeisterungsfähige germanophile Kollegen.
Bis heute reger Studentenaustausch
Zum Auftakt der Zusammenarbeit wurde ein binationales Seminar geplant, das französische und deutsche Studierende mit ihren Professoren zu gemeinsamer Arbeit an einem Thema beiderseitigen fachlichen Interesses vereinen sollte. Von Anfang an stand fest, dass das Seminar abwechselnd in Frankreich und Deutschland stattfinden und immer eine etwa gleichgroße Schar französischer und deutscher Studenten in Tandems teilnehmen sollte. Das wird noch heute in dieser bewährten Form durchgeführt.
Kloster Schweiklberg bot der ersten binationalen Gruppe 1984 ein besinnliches Umfeld. Im Jahr darauf wählten die Gastgeber die Abtei Ste. Odile als Herberge aus, und auch in den folgenden Jahren fanden die Seminare in Klöstern im Elsass und in Niederbayern statt. Inzwischen sind die Seminare säkular geworden und finden in der Jugendbegegnungsstätte Niederbronn-les-Bains sowie der Jugendherberge Passau freundliche Aufnahme. Aber auch dort stehen interkulturelle Erlebnisse gleichberechtigt neben Fachthemen aus Marketing und Kommunikation.
Anspruchsvolles Programm im Jubiläumsjahr
So gab es neben den Jubiläumsfeierlichkeiten auch heuer ein ansprechendes Programm mit dem Titel "Im Nachbarland werben und verkaufen" für die Studierenden der beiden Hochschulen: interkulturelle Kommunikation, wirtschaftlichen Gegebenheiten Deutschlands, interkulturelles Marketing lauteten einige Themen, zusätzlich führte Prof. Dr. Dieter Greipl von der Hochschule Landshut in das Thematik "Entscheidungstechnik" ein. Der Besuch des Europaparlaments und eine Führung durch Strassburg durften nicht fehlen. Und auch die Deutsch-Fanzösische Vergangenheit bildete ein wichtiges Thema, das bei den Studierenden einen tiefen Eindruck hinterließ: So besuchten die Studenten den Simserhof in Bitche. ein Artilleriewerk der französischen Maginot-Linie, heute ein Museum, und statteten dem Deutschen Soldatenfriedhof in Niederbronn, mit einer Gedenkstätte für 15808 deutschen Gefallenen, einen Besuch ab.
Ein binationales Programm, das seit 25 Jahren lücken- und reibungslos stattfinden kann ist wohl deutschlandweit einmalig. Ein Vierteljahrhundert lang haben sich alljährlich auf beiden Seiten begeisterungsfähige Studierende gefunden. Vor allem aber die beteiligten Professoren waren Garant für Kontinuität: immer wieder hat ein neuer Dozent die Organisation übernommen, das Programm mit eigenen Ideen angereichert und doch das Bewährte nicht aus den Augen verloren. Das Deutsch-Französische Hochschulseminar ist noch immer jung.
Aktuelle und ehemalige Initiatoren feierten "gelebte" Partnerschaft
Dies war nun Anlass zum Feiern: Strassburg als Gastgeber in diesem Jahr lud die Teilnehmer ein, dazu aber auch die „Ehemaligen“. Und alle sind gekommen: die Professoren Kammer und Kreitz, die das Seminar 1984 aus der Taufe gehoben haben, die Professoren Fleischmann, Dollé, Kauffer als 2. Generation, und die aktuell betreuenden Professoren Strasser und Knepfler aus Strassburg, Winkelmann und Greipl aus Landshut, , Prof. Dr. Blum, Präsident der Hochschule Landshut, und zahlreiche Dozenten und Mitarbeiter beider Hochschulen, die in diesem Vierteljahrhundert mehr oder weniger intensiv an Organisation und Durchführung beteiligt waren. Für Prof. Dr. Blum ist die langjährige Partnerschaft „ein Beleg für den Erfolg des von der Hochschule verfolgten Kurses, Kontakte zu internationale Partnerhochschulen nicht nur auf dem Papier zu schließen, sondern auch intensiv mit Leben zu erfüllen“.
