Von guter Beteiligungspraxis in der Heimerziehung lernen
Fakultät Soziale Arbeit organisiert Netzwerktagung in Berlin
Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Gelingende Beteiligung im Heimalltag aus der Sicht von Jugendlichen“, das in den letzten zwei Jahren unter der Leitung von Prof. Dr. Mechthild Wolff an der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Landshut durchgeführt wurde, veranstaltet vom 4. bis 5. Dezember 2008 in Berlin eine Abschlusstagung. Den Verantwortlichen ist es gelungen, vier Fachverbände der Erziehungshilfen sowie den Verein SOS-Kinderdorf dafür zu gewinnen, die Tagung gemeinsam zu veranstalten.
Die Veranstalter haben sich das Ziel gesetzt, gemeinsam zur Verbesserung von Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche, die außerhalb ihrer Familien leben und sozialpädagogisch betreut werden, beizutragen. Die Tagung soll Praktiker/innen aus Einrichtungen und Behörden, aber auch aus der Wissenschaft, aus Verbänden und der Politik die Möglichkeit bieten, von guter Beteiligungspraxis zu lernen.
Forschungsprojekt der Fakultät Sozialen Arbeit als Basis
Das im Sommer abgeschlossene Projekt „Gelingende Beteiligung im Heimalltag aus der Sicht von Jugendlichen“ wurde aus Mitteln der Stiftung Deutsche Jugendmarke gefördert und von SOS-Kinderdorf e.V. und der Internationalen Gesellschaft für er-zieherische Hilfen fachlich unterstützt. Ziel des Projekts war es, Jugendliche nach ihren Erfahrungen mit der Beteiligung in Heime zu befragen und gute Praxisbeispiele in der Bundesrepublik ausfindig zu machen und diese zu dokumentieren.
Im Rahmen von Experten/innen-Workshops mit Jugendlichen und Erwachsenen wurden zudem viele Erfahrungen und Erkenntnisse gesammelt, die in die Internetplattform www.dieBeteiligung.de eingeflossen sind. Die Internetplattform wurde im Rahmen des Projektes aufgebaut, sie wird aus Mitteln der Aktion Mensch derzeit weiter ausgebaut. Die guten Praxisbeipiele, die recherchiert wurden, stellen sich nunmehr im Rahmen der Tagung vor, sie werden derzeit in einem Werkbuch zur Beteiligung dokumentiert.
Wichtige Ergebnisse durch Befragung erlangt
Eine repräsentative Befragung von 1070 Jugendlichen in 132 Heimen und Wohngruppen in ganz Deutschland, die von dem Projekt mit Unterstützung des Sozialpädagogischen Instituts im SOS-Kinderdorf e.V. und dem Institut für Praxisforschung und Projektberatung durchgeführt wurde, erbrachte gemischte Erkenntnisse darüber, was bei den Jugendlichen von den Beteiligungsbemühungen in den Einrichtungen ankommt.
So waren lediglich 5 % der befragten Jugendlichen sehr zufrieden mit den Beteiligungsmöglichkeiten in den Einrichtungen, 33 % vergaben das Prädikat „gut“, 53 % vergaben das Prädikat „befriedigend“ und 8 % „ausreichend“. Die Befragung ergab zudem, dass über 50 % der Jugendlichen keinen Heimrat kennen und nur 20 % geben an, an seiner Zusammenstellung beteiligt zu sein.
Die Befragung kommt auch zu dem Ergebnis, dass die Jugendlichen, die sich stark in den Einrichtungen beteiligt fühlen, die Einrichtungen insgesamt auch besser bewer-ten. Insgesamt ist die Befragung Beleg dafür, dass nicht nur Gremien wichtig für die gefühlte Beteiligung sind, sondern die Jugendlichen plädieren dafür, dass sie im All-tag in wichtige Entscheidungen über ihr Leben eingebunden sein wollen. So kam es gerade bei den Fragen zu Beteiligungsmöglichkeiten im Alltag zu einigen kritischen Ergebnissen: So erlebt knapp die Hälfte der Jugendlichen Postkontrollen oder hat keine Möglichkeit, Privatsachen zu verschließen, die Hälfte der Jugendlichen kann bei Essen, Fernsehen und Taschengeld mitentscheiden, 30 % geben an, dass sie mitbestimmen dürfen. Interessanterweise kommt die Befragung zu dem Ergebnis, dass 45 % der befragten Jugendlichen über keinen Zugang zum Internet verfügen.
Bedeutung der Beteiligung in den Fokus rücken
Viel wurde von den Verbänden und den Einrichtungen in den letzten Jahren unternommen, um Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche zu verbessern, da man die Wichtigkeit für die Bewältigung von Problemen dieser oft belasteten Zielgruppe erkannt hat, so die Projektleiterin Prof. Dr. Mechthild Wolff. Die Ergebnisse der Befragung sind aber Beleg dafür, dass das Thema verstärkter in die Wahrnehmung der Professionellen rücken muss und Einrichtungen auch an Konzepten für eine bessere Mitarbeiterbeteiligung arbeiten müssen, so Wolff weiter. Grund genug, um die Verbände der Erziehungshilfe zu animieren, um gemeinsam an der Verbesserung zu arbeiten.
Auf der Tagung werden elf Einrichtungen aus ganz Deutschland die Möglichkeit haben, ihre Konzepte vorzustellen. Es geht um Projekte zum Beschwerdeverfahren für Jugendliche, zur besseren Information über Rechte, Projekte zu einem partizipativen Marketing und zu einem Peergroup-Informationssystem sowie um kreative Formen der Beteiligung durch Musik- und Musicalgruppen. Die Kooperationstagung wird gemeinsam mit evangelischen und katholischen und überkonfessionellen Verbänden organisiert. Zu den Verbänden gehören: Bundesverband für Erziehungshilfe e.V., Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e.V., Evangelischer Erziehungsverband e.V., Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen e.V. sowie SOS-Kinderdorf e.V.
Die Anmeldung für die Veranstaltung ist bis 4. November möglich. Weitere Informationen bietet der Flyer oder sind beim Kompetenzzentrum der Hochschule Landshut erhältlich: Tel. 0871 506-135, .
