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Kultur gibt wichtige Informationen für erfolgreiche internationale Teamarbeit

Dr. Hofstede referiert über kulturelle Unterschiede.Wie man die Eigenheiten und Gewohnheiten der unterschiedlichsten Kulturen verstehen kann, versuchte Dr. Gert Jan Hofstede in einem Vortrag an der Hochschule Landshut zu erklären. Der "Associate Professor for Information mangement in international chains and networks" an der Wageningen University (Niederlande). Unter dem Titel "Crosscultural Leadership im Projektmanagement" referierte er vor rund 150 Interessierten und gab Tipps, wie interkulturelle Teams am besten zu führen seien. Initiiert hatte den den von der Studentenvertretung unterstützten Vortrag, der den Abschluss der Veranstaltungsreihe zum 30-jährigen Jubiläum der Hochschule Landshut bildete, Larry Lopez, Lehrbeauftragter an der Hochschule. .

Internationalisierung und Globalisierung seien Herausforderungen, die die Hochschule Landshut schon früh erkannt hätten, erklärte Hochschulpräsident Prof. Dr. Erwin Blum in seiner Einführung. Mit  renommierten Partnerhochschulen rund um den Globus, hätten die Studierenden die Möglichkeit, sich für internationale Herausforderungen zu wappnen. Doch das Thema interkulturelle Zusammenarbeit sei häufig geprägt von Missverständnissen. Deshalb freue er sich besonders mit Dr. Hofstede einen Referenten begrüßen zu können, der dazu beitragen könne, diese Missverständnisse zu vermeiden.

Gleiche Grundbedürfnisse - große Unterschiede 

Kulturelle Unterschiede könnten gerade bei internationaler Zusammenarbeit ein Problem sein, stimmte Dr. Gert Jan Hofstede zu. Dies, obwohl Menschen grundsätzlich die selben Grundbedürfnisse hätten. Als  positives kulturübergreifendes Beispiel nennt er die Fernsehserie Derrick, die in mehr als 120 Ländern ausgestrahlt wurde. Hier käme einmal das Charisma des Hauptdarstellers zum Tragen aber es würden auch allgemein verbindliche Werte befriedigt; „die Botschaft lautet, am Ende wird alles wieder gut.“

Doch schon ein einfaches Ritual wie der Händedruck bei der Begrüßung könne Schwierigkeiten verursachen. So gelte in Deutschland beispielsweise ein fester Händedruck als wichtig, ganz anders in Südafrika, wo das Wohlfühlen bei der Begrüßung im Vordergrund stehe. Dabei seien aber soziale Konventionen, Rituale und Symbole wichtig für das Bestehen einer Gesellschaft. Dahinter würden verborgene Werte wie etwa gut oder böse, sauber oder schmutzig, sicher oder gefährlich stehen.

Modell der Kulturdimensionen als Hilfestellung 

Hochschulpräsident Prof. Dr. Erwin Blum moderierte die anschließende Fragerunde.Er skizzierte das von seinem Vater, Prof. em. Dr. Geert Hofstede, einem der meistzitierten Wissenschaftler in diesem Bereich, entwickelte Modell der Kulturdimensionen. Anhand von fünf Dimensionen könne man Gesellschaften charakterisieren und dadurch wertvolle Erkenntnisse über das Verhalten – auch in interkulturellen Teams - gewinnen. Danach seien Akzeptanz von Machtverhältnissen, Individualität versus Kollektivismus, Aggression bzw. feminine oder maskuline Dominanz, Unsicherheitsvermeidung sowie lang- oder kurzfristige Ausrichtung die dominierenden Faktoren. 

Das Modell sei hilfreich, um sich auf eine Teamarbeit mit Menschen aus anderen Kulturen einzustellen. Hierbei könne man beispielsweise Informationen bekommen, ob der Führungsstil autoritär, d.h. maskulin dominiert sei wie u.a. in Italien oder den USA oder ob, wie in Ländern wie Kanada und Holland, die Individualität des Einzelnen vor dem Kollektivgedanken stünden. Hier seien die eigenen Leistungen und Bedürfnisse im Mittelpunkt, während in Ländern wie  Griechenland oder Japan, die Bindung zur Familie oder zu einer Gruppe die dominierende Grundlage bilden würden. So seien bei uns Leistungsprämien eine akzeptierte Art der  Belohnung, die im kollektivistisch geprägten Japan zu einer deutlichen Störung der Harmonie führen würde.

Informationen alleine nicht ausreichend 

Diese kulturellen Faktoren und weitere Informationen zu einzelnen Ländern und ihren Gewohnheiten seien beim Führen von internationalen Teams hilfreich, um Stolpersteine in Gesprächen zu vermeiden. „Doch man wird immer wieder am falschen Fuß erwischt“ ist Hofstede überzeugt. Wichtig sei es, zuzuhören, im Gespräch auf nonverbale Zeichen zu achten und sich im Gastland einen Gesprächspartner zu suchen, mit dem man sich austauschen könne. Ein großes Plus sei dabei insbesondere, die Sprache des betreffenden Landes zu kennen.

In der anschließenden Fragerunde gab Dr. Hofstede zusätzliche Tipps.  Beispielsweise solle man Themen über eventuelle Tabus, wie die Religion, vermeiden: "Rede nicht von Kultur, aber vertiefe dich in Kultur," empfiehlt er. So könne man sich vorab informieren, ob der Führungsstil in einem Land eher autoritär geprägt sei, insgesamt sei es aber von großer Bedeutung, „dass ein Team an sich und seinen Erfolg glaubt“, wie er betont.

Zum Abschluss lüftete Dr.Hofstede noch das Geheimnis um die angekündigte Frage: "Warum gewinnen deutsche Teams so oft beim Fußball?" Um in dieser Sportart erfolgreich zu sein, müsse man sich unterordnen, das Ziel der Mannschaft in den Mittelpunkt stellen können, aber trotzdem selbst Entscheidungen treffen und nicht aufgeben. Diese Ansprüche würden optimal zur Deutschen Kultur passen. Holländer dagegen würden sich nicht so gerne unterordnen und seien der Meinung, „man muss nicht unbedingt gewinnen, auch wenn man der Beste ist“, wie es der legendäre Fußballer Johan Cruyff einmal formuliert habe.

 

Updated: 14.04.2009
 
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