Regenerative Energieträger können Bedarf im ländlichen Raum decken
Die provokankte Frage seines Antrittsvortrages, ob einen hundertprozentige Abdeckung des Energiebedarfs mit regenerativen Energien im ländlichen Raum möglich sei, beantwortet Prof. Dr. Josef Hofmann (Fakultät Maschinenbau der Hochschule Landshut) eindeutig mit ja. Vor rund 180 interessierten Gästen erklärte Prof. Dr. Hofmann, sie sei sogar dringend notwendig, um die Abhängigkeiten von den nur beschränkt vorhandenen fossilen Energieträgern zu beseitigen, müsse aber umwelt- und sozialverträglich gestaltet werden.
Hochschulvizepräsident Prof. Dr. Joachim Knappe zeigte sich in seiner Begrüßung erfreut über die entstehende Tradition eines Einführungsvortrages von neuen Professoren der Hochschule. Dies umso mehr, als Prof. Dr. Hofmann als neuer Kollege im Themenfeld Umwelttechnik und regenerative Energien in der Fakultät Maschinenbau und der Hochschule neue Kompetenzen mit einbrächte.
Endliche fossile Energiequellen mit Problemen behaftet
An den Anfang stellte Prof. Dr. Hofmann einen Überblick über die Energieversorgung, die zum Großteil über fossile Energien abgedeckt werde. Deren Ressourcen seien aber beschränkt und sie würden zu großen Abhängigkeiten führten. 35,7 Prozent der Energie werde über Mineralöl gewonnen, Naturgase bilden zu 22,8 Prozent, Atomkraft zu 12,6 Prozent die Basis für die Primärenergieversorgung. Bei all diesen endlichen Energiequellen sei man zu ca. 75% auf Importe aus dem Ausland angewiesen, die, wie die Vergangenheit gezeigt habe, mit Problemen behaftet seien.
Die Atomkraft werfe zusätzliche Fragen wie die der Endlagerung auf. Braukohle, die zu 10,9 Prozent den Energiebedarf abdecke, gewinne man in Deutschland, diese sei aber ebenso wie die Steinkohle (13 Prozent der Versorgung) ein immenser CO2-Verursacher, der den Treibhauseffekt verstärke.
Auch müssten fossile Energieträger aufbereitet werden, was zu hohen Wandlungsverlusten führe, nur rund ein Drittel der Energie bleibe für die Nutzung beim Verbraucher. Öl sei die Leitwährung der heutigen Energiemärkte, auf Dauer sei durch die Verknappung der Erdölreserven mit einem erhöhten Preis zu rechnen. 2010 sei der Bedarf und die nötige Fördermenge noch übereinstimmend, dann gehe die Schere aber schon auseinander, der Bedarf steige stärker als das Angebot und damit würden die Preise steigen. Uran reiche noch für 60-70 Jahre, Erdöl für rund 40 Jahre.
Unbegrenzte regeneratvie Energien als Lösungsweg
Als Lösungswege, um die Abhängigkeiten von den fossilen Energiequellen zu minimieren, nennt Prof. Dr. Hofmann die Einsparung von Energie, die Erhöhung der Effektivität der Energieerzeugung und vor allem die Nutzung regenerativer Energiequellen. Diese würden in Deutschland derzeit nur einen Anteil von fünf Prozent der benötigten Gesamtenergiemenge abdecken. Sie seien aber die einzige Alternative, um Lieferabhängigkeiten und knappe Ressourcen überwinden zu können und um eine klima- und umweltfreundliche Energiepolitik erreichen zu könnte.
Zwar nutze man die fossilen Energieträger, die ebenfalls aus Kraft der Sonne entstanden seien, das Potenzial der kostengünstigsten und in unendlichen Mengen verfügbaren Sonnenenergie werde aber viel zu wenig genutzt und zudem deutlich unterschätzt. Eine Möglichkeit zur Nutzung der Solarenergie zur Stromerzeugung seien Photovoltaik-Anlagen, die Zahl der auf Dächern installierten Anlagen steige, über die Freiflächenanlagen sei gerade eine Diskussion entbrannt. Die Gegner führten eine Verschandelung der Landschaft sowie Gigantomanie als Argumente an.
Prof. Dr. Hofmann spricht sich für Freiflächenanlagen bei sinnvollen Nutzflächenaus. Denn während der monokulturelle Anbau z.B. von Mais für die Gewinnung von Biomasse an Hangflächen zu einer Abschwemmung der Erdkrume führe und Überschwemmungen nach sich ziehen könne, wäre unter den Freiflächenanlagen eine erosionsstabile Bepflanzung mit Gras möglich.
Die Biomasse sei besonders geeignet zur Energiegewinnung, wenn andere regenerative Quellen mangels Sonne oder Wind nicht zur Verfügung stehen würden. Auch die Solarthermie könne einen wichtigen Beitrag beim Heizen leisten, hier sei zusammen mit der Dämmung von Häusern noch immenses Einsparungspotenzial vorhanden. Wasserkraft werde bereits genutzt, für die Geothermie sei gerade in Bayern ein großes Potenzial vorhanden, das ebenso wie die Windkraft noch viel mehr genutzt werden könnte.
Hundertprozentige Energieversorgung mit regenerativen Energien möglich
Gerade im südbayerischer Raum würden diese Energiequellen für die Stromversorgung bei verstärkter Energieeinsparung und effektiven und intelligenten Lösungen ausreichend, um die Energieversorgung abzudecken. Prof. Dr. Hofmann zeigt die mögliche Energieausbeute der unterschiedlichen Energieträger auf und spricht sich für einen Mix aus Sonne, Wind Wasserkraft und Biomasse mit Option zur Energiespeicherung aus. Ein Problem sei der erhöhte Speicherbedarf für Strom und Wärme sowie ein erhöhter Anspruch an das Energiemanagement.
„Der Energieverbrauch muß deutlich gesenkt werden, damit eine nachhaltige, hundertprozentige Energieversorgung mit erneuerbarer Energie erreicht werden kann, um die Schere von Energieangebot und Verbrauch zu schließen,“ betont Prof. Dr. Hofmann. Als Handlungsfelder sieht er u.a. den verstärkten Einsatz von Kraft-Wärme-Koppelung, die Dämmung von Gebäuden sowie die Energiespeicherung. Es seien mehr Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien und ein gesetzlich festgelegter Vorrang für diese Energiequellen nötig. Anreize für höhere Energieeffizienz bei der Stromerzeugung müssten geschaffen und z.B. in der Nacht nicht ohne Ende Energie ins Netz eingespeist, sondern gespeichert werden. Mindestwirkungsgrade für Kraftwerke sollten festgelegt werden.
Eine hundertprozentige Energieversorgung im ländlichen Raum sei möglich, doch sei dahin noch ein weiter Weg mit vielfältigen Akteuren und Aktivitäten zu beschreiten. Die Umsetzung müsse umwelt- und sozialverträglich geschehen, es müssten vielfältige Einflussfaktoren mit in Betracht gezogen werden, vom Verbraucherverhalten des Einzelnen und der Wirtschaft über Politik, Verkehrsanbindung, bis zur Infrastruktur (Strom-, Gas-, Wämenetz).
Weitere Informationen finden Sie in der Präsentation zum Vortrag.
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