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Freiflächen-PV: am rechten Standort temporär absolut sinnvoll

Prof. Dr. Josef Homann hatte die Veranstaltung initiiert und betonte die Bedeutung der Photovoltaik für die Energiegewinnung.Über Photovoltaik-Freiflächenanlagen wird in vielen Kommunen aber auch in der Politik heiß diskutiert. Mit dem „Fachforum Photovoltaik-Freiflächenanlagen“ bot die  Hochschule Landshut zusammen mit der Bayerischen Verwaltungsschule und der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solar-Initiativen, den rund 170 Teilnehmern aus Öffentlicher Verwaltung, Herstellerunternehmen, Dienstleitern und Investoren eine breite Informationsbasis.

In zehn Vorträgen wurden wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso wie Beispiele von bereits realisierten Projekten und auch die Bestimmungen im Bereich Raumordnung und Naturschutz aufgezeigt. „Die Veranstaltung soll dazu beitragen, die zum Teil sehr emotional geführte Diskussion auf eine Wissensbasis zurückzuführen,“ wie Initiator Prof. Dr. Hofmann (Hochschule Landshut, Fakultät Maschinenbau) erklärte. Hochschulpräsident Prof. Dr. Erwin Blum betonte in seiner Begrüßung, dass die Hochschule gerade bei einem so konträr diskutieren Thema gerne Gastgeber für ein Forum sei. Als Hochschule sehe man sich als Marktplatz von unterschiedlichen Meinungen. Auch verfüge man im Bereich der Energie- und Umwelttechnik gerade in den technischen Fakultäten über viele Kompetenzen. Dr. Andreas Lenz von der Bayerischen Verwaltungsschule verwies in seinem Grußwort auf die hohe Relevanz des Themas Energie und Umwelt. Aktuelle Rechtsänderungen würden auch zeigen, dass das Thema in Bewegung sei und Informationsbedarf bestehe.

Photovoltaik als effektiver Energieträger

Einen Überblick über die aktuelle Primärenergienutzung gab Prof. Dr. Josef Hofmann. Jährlich wüden in Deutschland 4 Mrd. MWh eingesetzt, die zu 76 Prozent importiert würden. Zwei Drittel davon gingen durch Umwandlungsverluste u.ä. verloren, nur ein Drittel stehe tatsächlich der Nutzung zur Verfügung. Die verlorene Energie würde ausreichen, um 100 Millionen Einfamilienhäuser zu heizen. Gerade bei Solarenergie sei kein Umwandlungsverlust zu befürchten, Sonnenenergie stünde kostenlos zur Verfügung und die Abhängigkeit von Lieferantenstaaten sei nicht vorhanden. Im Vergleich zu Biomasse-Anlagen sei die Photovoltaik beispielsweise um das zwanzigfache effektiver. Nachgeführte PV-Anlagen, die der Sonnenbewegung folgen, würden den Energieertrag weiter um rund 30 Prozent erhöhen. Diese Systeme werden bisher nur bei Freiflächenanlagen eingesetzt.

Hohen Informationsbedarf zum Thema PV-Freiflächenanlagen zeigte die große Resonanz der Veranstaltung.Die Frage, ob Photovoltaik-Freiflächenanlagen sinnvoll seien, beantwortete Prof. Dr. Ernst Schrimpff  (Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solarinitiativen, Freising) eindeutig mit „ja“. Er betonte noch einmal die Bedeutung von regenerativen Energien für den Klimaschutz und zur Eigenversorgung. Geplant sei, bis 2025 eine Vollversorgung aus regenerativen Energien zu erreichen. Im Mix der regenerativen Energieträger sei es sinnvoll, mit Photovoltaik rund 30 Prozent des Energiebedarfs abzudecken. Rein Rechnerisch sei dieser Anteil über Anlagen auf Dachflächen zu realisieren, seit 2000 sei ein jährliches Wachstum von rund 69 Prozent zu verzeichnen gewesen. Doch würde dieser Anteil durch verschiedene Aspekte, wie z.B. Engpässe in der Anlagen-Lieferung, veraltete Dächer usw., gebremst.

Um die Vollversorgung bis 2025 erreichen zu können, müsste man deshalb die nächsten 30-40  Jahre auf Freiflächenanlagen zurückgreifen. Da dies auch eine Erholung der Anbauflächen bedeute, ist ihm die von der Politik diskutierte Streichung der Förderung von Freiflächenanlagen auf Ackerflächen besonders unverständlich. Am Beispiel Freisings zeigt er, dass insgesamt rund 100 Hektar Freiflächenanlagen pro Gemeinde ausreichen würden, um die nötige Energie gewinnen zu können.

Für die Genehmigung ist einiges zu beachten

Besonders für die vielen Teilnehmer aus der öffentlichen Verwaltung waren die folgenden Vorträge zum Thema der Genehmigungskritierien und –erfahrungen von Freiflächenanlagen interessant. Problemlagen hinsichtlich der einschlägigen Bestimmungen im Landesentwicklungsplan (LEP 2006) zeigte Jürgen Schmauß von der Regierung von Niederbayern auf. Besonders in Bayern und Niederbayern herrschten für die Photovoltaik durch hohe Sonnenstrahlung und Sonnenscheindauer hervorragende Bedingungen. In Niederbayern gäbe es einen wahren Freiflächenboom, seien 2006 noch 20 Anlagen genehmigt worden, seien es 2009 bereits 70 gewesen, 500 Hektar seien schon realisiert oder im Bau befindlich.

Ziele der Landesplanung seien eine nachhaltige Siedlungsentwicklung (Zersiedelung solle vermieden werden), Naturschutz, Flächenkonkurrenz (wenn Flächen geplant werden, die bestes Ackerland wären) zu vermeiden oder Boden- und Kulturdenkmalschutz zu gewährleisten. Die Standorte für Freiflächen müssten über eine Standortbewertung und eine Alternativenprüfung gewählt werden. Standorte mit Anbindung an Siedlungseinheiten seien dabei zu präferieren, es folgen Standorte  mit Vorbelastung und erst falls diese nicht vorhanden sind, Freiflächen. Der Antrag müsse über die Kommunen erfolgen.

Aus auf die naturschutzfachlichen Belange bei Photovoltaik-Freiflächenanlagen ging Dr. Franz Leibl (Regierung von Niederbayern) ein. Er betonte dabei, dass die Naturschutzverwaltung jenseits der konträren Diskussion PV-Freiflächenanlagen wertfrei nach fachlich objektiven Maßstäben beurteile. Neben den bereits erwähnten Kriterien kämen dabei Bestimmungen des Natur- und Artenschutzgesetzgebung und der europäische Regelungen zum Biotop- und Artenschutz zum Tragen. Neben schützenswerten Gebieten seien u.a. auch Böden mit sehr hoher Bedeutung für die natürlichen Bodenfunktionen oder Überschwemmungsgebiete als nicht geeignet für Freiflächenanlagen anzusehen. Als bedingt geeignet gelten u.a. landwirtschaftliche Böden hoher Bonität.

Mit Planung Überraschungen vermeiden

Über die neuste Technik bei der Photovoltaik informierte eine Fachausstellung. (Foto: Hobmeier)Dass Freiflächenanlagen einer Genehmigung bedürfen, betont auch Dr. Franz Dirnberger vom Bayerischen Gemeindetag. Er und Stefan Graf gaben Empfehlungen, für eine erfolgreiche Umsetzung von Freiflächenanlagen. Dabei betonte Dr. Dirnberger, die Entscheidung für oder wider müsse in den Kommunen fallen. Um nicht beim ersten Antrag nur reagieren zu können, empfiehlt er diesen, ein Entwicklungskonzept aufzustellen, in dem festgelegt werde, wie viel Freifläche nötig sei und welche Flächen sich dafür eigenen würden. Dabei müssten beispielsweise auf unterschiedliche Einspeisevergütungen, Ausschlussflächen und die Bodengüte geachtet werden. Dann könne eine Bauleitplaung bzw. ein Bebauungsplan aufgestellt werden. 

Erfolgreich umgesetzte Projekte von PV-Freiflächenanlagen präsentierten schließlich Birgit Baindl vom Landratsamt für den Landkreis Fürstenfeldbruck und Bürgermeister Josef Schäffler für die Gemeinde Moorenweis. Zwischen den Veranstaltungen hatten die Teilnehmer Gelegenheit, sich an Ständen über die aktuelle Technik und Dienstleistungen rund um Photovoltaikanlagen zu informieren.


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Updated: 19.04.2010
 
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