Studieren im akademischen Harem - Männer fühlen sich im „Frauenstudiengang“ Soziale Arbeit rundum wohl
Die Wahl des Berufs oder Studiengangs erfolgt nach wie vor häufig
nach geschlechterspezifischen Überlegungen. Für technischen Berufe und
Studiengängen wird beispielsweise im Girl´s-Day versucht, Mädchen ihre
Berührungsangst vor der Technik zu nehmen, sie für frauenuntypische
Berufe zu interessieren. Doch auch die Berufswahl von Jungen ist
vielfach geschlechtsspezifisch geprägt, bestes Beispiel das Studium der
Sozialen Arbeit.
Männliche Studenten stellen hier mit etwa siebzehn Prozent an der Fachhochschule Landshut die klare Minderheit dar. Wie sich männliche Studenten im Frauen dominierten Studiengang Soziale Arbeit fühlen, haben Maria Ecker und Jana Gesell, zwei Studentinnen der Sozialen Arbeit im sechsten Semester hinterfragt.
Nikki, einer ihrer männlichen Kommilitonen nimmt die Antwort vorweg, er fühlt sich „als Rarität im Studiengang einfach gut“. Auch im sechsten Semester sind männliche Studenten mit etwa fünfzehn Prozent deutlich in der Unterzahl, es setzt sich aus 89 Frauen und 14 Männern zusammen. Nikki, Chris, Ben und Hans sind sich aber einig, „es herrscht eine äußerst angenehme Atmosphäre im akademischen Harem“ berichten sie lächeln. Sie könnten, wie sie sagen, sogar in vielerlei Hinsicht mit ihrem „Minderheitenbonus“ von den Frauen profitieren. Zum Beispiel, wenn es um Vorlesungsmitschriften gehe, die ihnen ihre weiblichen Mitstudentinnen gerne zur Verfügung stellen.
Auch nach dem Studium rechnet sich Chris gute Chancen aus. In Anbetracht der Tatsache, dass achtzig Prozent der Führungspositionen in sozialen Organisationen mit Männern besetzt sind, „haben die männlichen Sozialpädagogen durchaus gute Aussichten auf einen erfolgreichen Berufseinstieg, vielleicht sogar auf eine leitende Funktion“. Zusätzlich werde in einigen Arbeitsfeldern (z.B. Resozialisierung von Straffälligen) der Einsatz von männlichen Sozialpädagogen als besonders vorteilhaft angesehen wird, sind sie gern gesehene Bewerber beim Arbeitgeber.
Auf die Frage, wie das persönliche Umfeld auf die eher ungewöhnliche Studien- und Berufswahl reagiert habe, meint Ben „außer ein paar anfänglichen komischen Sprüchen“ habe es eigentlich keine negativen Erfahrungen gegeben. Im Gegenteil, „die Kumpels seien sogar neidisch auf den Studienalltag mit so vielen Frauen“.
Und bei der Fülle an Mitstudentinnen sind auch Maria und Jana überzeugt, dass sich die Jungs doch alle eine gute Partie ausgerechnet hätten. Und bei dem einen oder anderen habe es ja auch funktioniert.
Von Nachteilen für die männlichen Studenten der Sozialen Arbeit ist hier also nichts zu spüren, ihre Entscheidung für den geschlechtsuntypischen Studiengang haben Nikki, Chris, Ben und Hans bisher in keinen Fall bereut.
