Technische Delikatesse - erste serienmäßige Hybrid-Busse präsentiert
Eine Besonderheit aus dem Bereich der hybriden Antriebstechnik bot die Präsentation von zwei der aussichtsreichsten Linienbus-Hybridkonzepten an der Hochschule Landshut. Prof. Dr. Ralph Pütz, Leiter Labor Nutzfahrzeugtechnik, konnte Professoren und Studenten/innen sowie Teilnehmern/innen eines Busworkshops der Landesgruppe Bayern des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) an zwei topaktuellen Modellen die unterschiedlichen Hybridkonzepte zeigen. Die beiden 12 Meter langen "Solobusse" werden zur Zeit nur ausgewählten Verkehrsunternehmen für Praxisversuche zur Verfügung gestellt und sind zusammen sonst nur auf großen internationalen Messen zu erleben.
Der Übergang zur Elektromobilität ist vor dem Hintergrund der zur Stabilisierung des Weltklimas geforderten Begrenzung der CO2-Emissionen eine ökologische Notwendigkeit. Auf dem Weg zur „Elektromobilität“ ist der Hybridantrieb eine notwendige Zwischenstufe. Aktuell werden in diversen Forschungsprojekten in Deutschland rund 100 Hybridbusse verschiedener Hersteller auf ihre Praxistauglichkeit und ihr Potenzial hin untersucht. Die beiden an der Hochschule vorgestellten Konzepte haben nunmehr das Prototypstadium verlassen und sind als hochaktuelle Weiterentwicklungen in die Serienproduktion eingeflossen.
Ingenieure der beiden Fahrzeughersteller sowie Prof. Dr. Ralph Pütz, stellten an der Hochschule Landshut die unterschiedlichen Hybridkonzepte vor und erläuterten verschiedene Funktionen. Bei den beiden Bussen handelte es sich um einen seriellen Hybridbus der Marke MAN mit Hochleistungskondensator als Energiespeicher, sowie um einen parallelen Hybridbus von Volvo mit Li-Ionen-Batterie zur Speicherung der Bremsenergie. Hochleistungskondensatoren zeichnen sich durch eine extrem hohe Leistungsdichte (also schnelle Aufnahme und Abgabe von Bremsenergie) aus, verfügen aber nur über eine sehr begrenzte Energiedichte (gespeicherte Energiemenge). Bei Li-Ionen-Batterien ist umgekehrt die Energiedichte signifikant höher, dafür aber die Leistungsdichte etwas geringer. Der Einsatz eines größeren Energiespeichers ermöglicht indes ein Downsizing des Hauptantriebs „Verbrennungsmotor“ mit Phlegmatisierung und Betrieb im kraftstoffverbrauchsoptimalen Kennfeldbereich.
Neben einem Dieselmotor mit bis zu 200 kW Leistung werden bei Linienbus-Hybriden Elektromotoren mit bis zu 150 kW Leistung verwendet. Sowohl der MAN- als auch der Volvo-Hybrid weisen neben der eigentlichen Bremsenergie-Rückgewinnung (Rekuperation) weitere Kraftstoffverbrauch senkende Funktionalitäten auf: Start-Stopp-Funktion sowie elektrifizierte Nebenaggregate mit übergeordnetem Energiemanagement. Beide Konzepte realisieren im Vergleich zu konventionellen Dieselbussen eine Verbrauchssenkung um rund 25 Prozent (je nach Einsatzart).
Im Anschluss an die technische Präsentation, in der die Teilnehmer im Labor für Nutzfahrzeugtechnik auch einen Blick unter die Busse werfen konnten, bestand die einzigartige Gelegenheit, die Fahrzeuge im realen Linienbetrieb in Landshut und Umgebung „zu erfahren“ und prinzipbedingte Unterschiede zu erleben.
Die Vorstellung der beiden Hybridfahrzeuge an der Hochschule Landshut war eingebunden in einen Busworkshop der Landesgruppe Bayern des VDVs, der in Landshut stattfand. Im VDV sind alle im Nahverkehr tätigen Verkehrsunternehmen organisiert, die in Deutschland in der Summe rund 38.000 Linienbusse einsetzen. Prof. Dr. Ralph Pütz informierte hier in dem eintägigen Workshop die Praktiker aus den Verkehrsunternehmen detailliert über die Bandbreite der chancenreichen Antriebs- und Kraftstoffsysteme für Linienbusse, deren Entwicklungsstand und Zukunftsperspektive.
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