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China: Praktikum in einer anderen Welt

Sechs Studenten aus Landshut, Regensburg und Nürnberg verbrachten das letzte Semester in China und erlebten eine völlig fremde Welt. Die Fachhochschule Landshut wirkt seit 2004 zusammen mit der Hans Seidel Stiftung aktiv am Aufbau der Deutsch-Chinesischen-Berufshochschule Shanghai mit. Hierzu sind für den dortigen Fachbereich Elektrotechnik zusammen mit den chinesischen Professoren Curricula zu erstellen und die Laborversuche für Praktika aufzubauen. Beim Aufbau dieser Versuche halfen die deutschen Praktikanten.

Transrapid prallt auf veraltete TechnikEiner der ersten Eindrücke direkt nach der Landung auf dem Flughafen Pudong, ein Sahnestückchen deutscher Ingenieurskunst: In Deutschland nicht richtig ins „Schweben“ gekommen, überwindet der erste Transrapid der Welt die ca. 30 km zwischen dem Flughafen und der Innenstadt von Shanghai. Fahrzeit ungefähr 8 Minuten, Spitzengeschwindigkeit 431 km/h. „Das ist so schnell, dass das Gehirn noch in Pudong am Bahnsteig steht, obwohl der Körper schon in der Stadt ist“ schwärmt Jens, der im 5. Semester Elektrotechnik studiert.

Dann geht es aber wesentlich langsamer weiter, mit U-Bahn oder Taxi. Wobei U-Bahnfahren in Shanghai ein starkes Nervenkostüm voraussetzt. Die Züge fahren im Dreiminutentakt und sind extrem gut ausgelastet; so kommt es schon mal vor, dass sich in einem Zug mit sechs Waggons, bis zu 1.500 Menschen drängeln. „Das Aussteigen kommt unter diesen Voraussetzungen manchmal  einer zweiten Geburt gleich“ berichtet Jens schmunzelnd.  

Taxi fahren ist da die ruhigere und finanziell durchaus erschwingliche Alternative. Ein ausgeklügeltes Hochstraßensystems sorgt in Shanghai dafür, dass man meistens gut vorankommt, die Straßen des Zentrums laufen manchmal fünfstöckig übereinander. Der Nachteil des meist störungsfreien Verkehrs: Jeder will ein Auto haben, und so verschlechtert sich die Luft extrem. Blauen Himmel und saubere Luft zum Durchatmen haben die Praktikanten am meisten vermisst und bei der Ankunft in München wieder so richtig schätzen gelernt.

Ein Vergleich zwischen Deutschland und China ist schwierig, die beiden Länder sind extrem unterschiedlich. Die bayerischen Gäste waren von den gigantischen Bauwerken und der Andersartigkeit der Chinesen in der erste Zeit einfach überwältigt. Das beginnt mit der Masse an Menschen, die man hier vorfindet und die gerade in Shanghai dazu führt, dass der Europäer seinen Freiraum erst einmal suchen muss. „Eine Situation, die ich aus Deutschland nicht kannte, wo ich jederzeit die Möglichkeit habe, mich zurückzuziehen“ meint Jens. Diesem Problem werden die Chinesen Herr, indem sie frühmorgens ihren Tag mit Tai Chi, einer ruhigen aber kraftvollen Gymnastik,  beginnen. Auf diese Weise schaffen sie sich einen seelischen Ausgleich, der ihnen die Ausgewogenheit für den Tag gewährleistet.

China, und besonders Shanghai, hat ein ausgeprägtes Bestreben nach Superlativen. Neben dem schnellsten Zug findet man dort das höchste Hotel der Welt. Eigentlich besteht die Stadt nur aus Wolkenkratzern, einer höher als der andere. Wohnhäuser unter zwanzig Stockwerken sind klein. Nachts wird es niemals dunkel, alles blinkt und leuchtet, die Front eines Hochhauses besteht z.B. aus einer einzigen flimmernden Werbefläche, die die Passanten mit ständig wechselnden Spots anstrahlt. „Wenn ich durch die Straßen ging, hätte ich fünf Augenpaare brauchen können; so viel gab es zu sehen“ schwärmt Jens von seinen Eindrücken.

Die Praktikanten mit Yang (Rektorin CDBH), R. Hofmann (HSS) und Prof. SchönbergerIn Shanghai prallt westliches Denken auf chinesische Bräuche. Bei jedem Schritt wird deutlich, dass das Alte durch Hypermodernes, ja fast Futuristisches, abgelöst wird. Dies passiert mit einer solchen Geschwindigkeit, dass man von einer Woche auf die andere ganze Straßenzüge nicht mehr wiedererkennt, da dort alles „platt gemacht“ wurde und die Bauarbeiten in vollem Gange sind.

Da für Europäer die Preise immer noch sehr billig sind, konnten sich die Praktikanten mit ihrem geringen Salär Dinge leisten, die für einheimische Studenten nicht im Traum erschwinglich sind. Annehmlichkeiten wie zum Essen oder zur Massage gehen, im Grand Hyhatt im 56. Stockwerk Kaffee zu trinken oder z.B. Hosen zu Preisen zu kaufen, für die in Deutschland nicht einmal eine Socke zu bekommen ist, ermöglichte ihnen ein angenehmes Leben.

„Das halbe Jahr in Shanghai war ein echtes Abenteuer, man hat die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu sehen gelernt“ fasst Jens seine Eindrücke zusammen. „Trotz periodischem Anflug leichten Heimwehs gepaart mit der Sehnsucht nach einer geheizten Bleibe, nach einer deftigen Brotzeit und einem Weißbier“ will er die im Praktikum gesammelten vielfältigen Eindrücke nicht missen.

Updated: 13.08.2007
 
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