Unternehmensnachfolge frühzeitig planen unabdingbar
Jährlich stehen in Deutschland über 70.000 Unternehmen zur Übergabe an, nicht wenige geraten in Schieflage oder werden sogar geschlossen, weil der Übergabeprozess zu spät oder falsch gestaltet wurde. Das Unternehmerforum „Nachfolge in Technologieunternehmen“ an der Hochschule Landshut gab rund 30 interessierten Führungskräften Tipps und Einblicke in Praxisbeispiele, bei denen eine erfolgreiche Nachfolgelösung gefunden wurde. Die Veranstaltung wurde in Kooperation zwischen der Hochschule Landshut und den hier beheimateten Clustern Leichtbau und Mikrosystemtechnik organisiert, unterstütz von der Bayerischen Landesbank.
Bei seiner Begrüßung wies Stefan Kiermaier, Kanzler der Hochschule Landshut auf die Brisanz des Themas hin, die durch den demografischen Wandel in Zukunft noch verstärkt werde. Für eine zu späte Planung der Übergabe gibt es laut Veranstaltungsinitiator Prof. Dr. Stoffel (Fakultät Betriebswirtschaft) viele Gründe: vom einfachen nicht daran denken über das Problem von Firmengründern loslassen zu können, bis hin zum Status- und Machtverlust. Eine gute Nachfolgeplanung müsse frühzeitig beginnen, rechtliche und steuerliche Aspekte ebenso beinhalten, wie die Vorbereitung im Unternehmen selbst sowie die Suche nach dem richtigen Nachfolger.
Über verschiedene Strategien zur Übergabe von Unternehmen berichteten die drei Führungskräfte Dr. Michael Oleszczuk (Geschäftsführer REMO-HSE Hochspannungselektronik GmbH, Rattiszell), Stefan Schnurrenberger (Geschäftsführer Gluth Systemtechnik GmbH, Straubing), Michael Lehnert (Geschäftsführer Landshut Silicon Foundry GmbH). Dr. Martin Beck (Abteilungsdirektor M&ABeratung, Bayern LB) berichtete von den Erfahrungen aus dem Berateralltag.
Dass gerade die Suche nach dem „richtigen“ Nachfolger ein schwieriges Unterfangen sei, betonte Dr. Michael Oleszczuk. Er wäre nach den Empfehlungen einschlägiger Ratgeber ganz sicher nicht als „die richtige Lösung“ in Frage gekommen. Als theoretischer Physiker wurde er gefragt, ob er die Unternehmensnachfolge antreten wolle. Sein technisches Wissen habe ihm zwar geholfen, doch musste er sich in vielfältigste Themengebiete einarbeiten. Für ihn ist von grundlegender Bedeutung, dass vor der Suche nach dem geeigneten Nachfolger, die Struktur des eigenen Unternehmens analysiert werden müsse. Hier helfe z.B. eine Zertifizierung in der die Arbeitsprozesse dokumentiert werden.
Er und auch die weiteren Referenten betonten die Wichtigkeit, die Mitarbeiter des Unternehmens ebenso früh mit einzubeziehen, wie Kunden und Lieferanten. Dies sei bei Gluth der Fall gewesen, wie Stefan Schnurrenberger berichtete. In die jahrelang geplante Nachfolgeregelung seien wertvolle Mitarbeiter durch Unternehmensbeteiligungen integriert worden, als Familienmitglied der Eigentümerfamilie sei Johannes Sigl als Assistent der Geschäftsleitung und zukünftige Führungskraft einbezogen worden.
Gute und kompetente Mitarbeiter, die vom neuen Geschäftsmodell überzeugt werden konnten, nennt Michael Lehnert als Voraussetzung für den Management Bay Out und die erfolgreiche Gründung von LFoundry. Eine lokale Lösung wurde in langwierigen Verhandlungen mit den japanischen Eigentümern gefunden und so Renesas Landshut übernommen. Als weitere Erfolgsfaktoren nennt er eine intensive Beschäftigung mit der zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens, ein Team an Beratern, die externe Kompetenz mit einbrachten sowie Entscheidungsfreude und hohe Flexibilität, um auf Einflüsse von Außen reagieren zu können.
Aus Sicht eines Finanzierungsdienstleisters betonte Dr. Martin Beck den Zeitfaktor: Überlegungen zur Übergabe eines Unternehmens müssten frühzeitig erfolgen, da dieser Prozess nur langfristig zum Erfolg führen. Es müsste sorgfältig abgewogen werden, was die richtige Strategie sei, ein Verkauf an ein anderes Unternehmen bzw. einen Investor, die Übergabe an ein Familienmitglied oder auch der Management Buy Out. Dabei seien auch Mischformen möglich.
Vielfältige Fakotren seien hier zu bedenken: von Zukunftsfähigkeit und Ertragslage, über wirtschaftliche Transparenz und mittelfristige Unternehmensplanung bis hin zu einer angemessenen Organisationsstruktur und personenunabhängigen Lieferanten- und Kundenbeziehungen. Weitere Problematiken speziell in Technologieunternehmen seien beispielsweise die Bewertung von Patenten oder die schwierige technische Zukunftseinschätzung. Auch für ihn ist eine Grundlage für die erfolgreiche Übergabe die frühzeitige Einbindung aller Beteiligten, vom Mitarbeiter bis zum Kunden und auch von externem Know-how.
Eine lebhafte Diskussion mit allen Teilnehmern zeigte das große Interesse am Thema Unternehmensnachfolge, weitere Veranstaltungen zu diesem Thema sind an der Hochschule Landshut angedacht.
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