Kooperation mit Mühldorf a. Inn im Projekt Lernen vor Ort
Das regionale Bildungsprogramm Lernen vor Ort und die kooperierenden Hochschulen Landshut und Rosenheim informierten kürzlich die Unternehmen der Region über berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeiten für ihre Arbeitnehmer/innen, über duale Studienangebote sowie über weitere Optionen der Zusammenarbeit. Rund 100 Vertreter/innen von Unternehmen, Schulen Dies in der Veranstaltung „Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam für die Region Mühldorf a. Inn“ in Mettenheim. Danbeben berichteten Vertreter von Südostbayernbahn, Dräxlmaier Group und Bauer Elektrounternehmen von ihren Erfahrungen aus der Praxis. Nun soll ein engmaschiges Netzwerk zum gegenseitigen Austausch und für Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen entstehen.
Als einer der sieben Projektschwerpunkte von Lernen vor Ort fördert der Bereich Hochschulkooperation unter Leitung von Referent Andreas Ortner eine engere Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft in der Region. Ein Ziel ist die bessere Bindung von Fachkräften an die Region durch ortsnahe Angebote für eine berufsbegleitende Aus- und Weiterbildung auf akademischem Niveau. Dies, um die Innovationskraft der heimischen Wirtschaft zu stärken und einen Beitrag zur regionalen Wirtschaftsförderung zu leisten.
Hochschulen präsentieren ihr Angebot
Vizepräsident Prof. Dr. Joachim Knappe von der Hochschule Landshut und Präsident Prof. Heinrich Köster von der Hochschule Rosenheim stellten in einer gemeinsamen Präsentation ihre Hochschulen sowie ihr Angebot vor. Dies speziell im berufsbegleitenden Weiterbildungsbereich und bei den dualen Studiengängen und betonten, dass die Hochschulen den Unternehmen auch ein hoch professionelles Umfeld für praxisorientierte Forschungs- und Entwicklungsprojekte offerieren.
Von Seiten der Hochschule Landshut können beispielsweise ab Herbst 2010 interessierte Fachkräfte von Handwerksbetrieben eine Weiterbildung zum Auftragsmanagement, in Zusammenarbeit mit der Kreishandwerkerschaft Altötting-Mühldorf, aufnehmen. Daneben soll ab Frühjahr 2011 eine Qualifizierung auf Hochschulniveau zum Supply Chain Management in Kooperation mit der Peters Bildungsgruppe im Hochschulprogramm stehen.
Prof. Knappe erläuterte die Angebote der Hochschule Landshut. Seminare bzw. Hochschulzertifikate für Industrielle Beschaffung, Führungskompetenz, systemisches Innovationsmanagement, Projektmanagement sowie weitere Themenfelder könnten von Unternehmen und ihren Mitarbeitern/innen wahrgenommen werden. Eine ganz neue höchst interessante Möglichkeit zur Weiterbildung berufsbegleitende Bachelor-Studiengänge, bei denen durch die Anerkennung von Vorleistungen (Techniker, Fachwirt oder Ähnliches) möglich sei. Landshut bietet als eine der ersten staatlichen Hochschulen Bayerns ab kommenden Wintersemester mit dem Bachelor Wirtschaftsingenieurwesen einen solchen berufsbegleitenden Studiengang an. Auch sei in Zusammenarbeit zwischen der Fachakademie für Sozialpädagogik und der Hochschule Landshut im Studium der Sozialen Arbeit ab kommenden Wintersemester geplant. Zehn Studierende der Fachakademie könnten dann bereits Kurse an der Hochschule belegen.
Zusätzlich regen die beiden Hochschulvertreter an, Vorbereitungskurse für beruflich Qualifizierte zu organisieren, um den Umstieg von Praxis und Beruf auf Lehre und Forschung zu erleichtern. Beide Professoren ermunterten die anwesenden Unternehmer, sich mit Problemen aller Art an die Hochschulen zu wenden, diese seien offen, bei vielfältigen Themen mit Unternehmen der Region zusammenzuarbeiten.
Praxiserfahrung in der Kooperation mit Hochschulen
Im Anschluss berichteten Vertreter/in von drei Firmen der Region über ihre Erfahrungen im Bereich der Hochschulkooperation. Für Christoph Kraller von der Südostbayernbahn ist es immens wichtig, die Nachwuchskräfte aus der Region zu gewinnen und zu binden, um eine Abwanderung zu verhindern. Von Lernen vor Ort wünscht er sich ein breites Spektrum an Perspektiven für die Mitarbeiter aus der Region: Schnupperkurse, Zusatzausbildungen für Techniker im Management, Kurse für „Lernen“ lernen.
Die Dräxlmeier Group aus Vilsbiburg arbeitet schon mit den Hochschulen Landshut, Rosenheim und Deggendorf für verschiedenste Studienrichtungen zusammen. Dies besonders im Bereich des Dualen Studiums mit vertiefter Praxis, das seit 2008 angeboten werde und zehn Studienrichtungen umfasse. Dies bedeute zwar einen hohen Betreuungs- und auch finanziellen Aufwand, das Unternehmen habe hier aber beste Erfahrungen gesammelt. Dazu engagiert sich Dräxlmeier aktiv mit Exkursionen, Präsenz auf Hochschulkontaktmessen, IT-Studienprojekten oder Stipendien, so Cornelia Schäfer (Head of Recruiting, Group Center Human Resources).
Im Bauer Elektrounternehmen aus Buchbach bleibt seit 20 Jahren die Ausbildungsquote auf hohem Niveau von über 20 Prozent. Doch besonders bei der Rekrutierung von Akademikern habe man große Probleme. Dies laufe in einer Zusammenarbeit mit einer Berufsakademie im Osten relativ gut, im Süden habe man hier nur eine geringe Akademikerquote im Unternehmen. Im Bereich der Dualen Studiengänge sei es bislang noch zu keiner Zusammenarbeit mit einer nahe gelegenen Hochschule gekommen. Geschäftsführerin Franziska Bauer betonte, dass hier die Qualität des Studiums maßgeblich von der Betreuung durch einen Mentor abhänge, da nur so die Verbindung von Theorie und Praxis gewährleistet werden könne. Sie regte zudem einen Ausbau der Zusammenarbeit von Professoren und Handwerksmeistern an, um das Handwerk stärker in den Studienverlauf mit einzubeziehen.
Intensivierung der Zusammenarbeit geplant
Nach der Veranstaltung, in der erste Kontakte zwischen Unternehmen und Hochschulen geknüpft wurden, soll der begonnene Dialog verstetigt und weiterentwickelt werden. Eine Möglichkeit ist eine breit angelegte Unternehmerbefragung im Landkreis unter Einbeziehung verschiedener Interessensgruppen (Hochschulen, Kammern, Verbände). Auf einer derart fundierten Basis sollen dann das Angebot der Hochschulen und die Nachfrage der Firmen gezielt zusammengeführt werden. Lernen vor Ort initiiert und begleitet dabei diesen Prozess.
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