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Verein Landshuter Energie-Agentur gegründet

FH-Präsident Prof. Dr. Erwin Blum begrüßt die Gäste der LEA-GründungsveranstaltungEs gibt eine neue Landshuterin. Sie heißt LEA: Mit viel Energie  wurde gestern an der Fachhochschule der Verein Landshuter  Energie-Agentur  gegründet, der abgekürzt LEA heißt. Er soll sich als neutrale  Beratungsinstanz etablieren und  Wegbereiter sein für eine Zukunft, die vor allem auf erneuerbaren Energien basiert: “Wir müssen heute die Weichen stellen für die nächsten 20 Jahre", sagte Gastreferent Wolfgang Böhm. Ziel sei die gänzliche Unabhängigkeit der lokalen Energieversorgung von fossilen Brennstoffen wie Erdgas und -öl.

Ein Vorgehen, das ganz wesentlich auch die heimische Wirtschaft fördere, hieß es bei  der  LEA-Gründungsveranstaltung. Die drohende Klimakatastrophe und die rapide  steigenden Strom- und Gaspreise sensibilisieren derzeit die Bevölkerung. Das Thema Energie ist zu einem wortwörtlich brennenden geworden. Das zeigte sich auch im  gerammelt vollen Hörsaal HS 013 der Fachhochschule, was deren Präsidenten Prof. Dr. Erwin Blum ein wohliges Gefühl vermittelte: “Einen vollen Hörsaal sehe ich gern." Gern sahen ihn auch die Organisatoren der Vereinsgründung. Deren Erfolg: 55 Gäste setzten nach der Vorstellung der Pläne und Ziele ihre Unterschrift untereinen Mitgliedsantrag.

Offensichtlich hatte das Engagement der Referenten überzeugt. Eindringlich hatten sie über die Chancen einer Energiewende und über die Risiken des schlichten Weiter-so gesprochen. Überzeugend hatten sie dargelegt, dass man angesichts vieler globaler Probleme, die aus dem Umgang mit fossilen Brennstoffen herrührten, nicht mehr viel Handlungsspielraum habe: “Wir mahnen auch ein wenig zur Eile", sagte Alois Bummer, LEA-Mitinitiator und Energieberater der Stadtwerke. Jetzt soll die Agentur, in der  Energieberater und Architekten, Waldbauern und Heizungsbauer in Stadt und Land
zusammenarbeiten, durch Beratung, Informationsveranstaltungen und Bündelung ihrer Kräfte das Energiesparen und den Ausbau regenerativer Energieformen vorantreiben. Beraten werden sollen Bürger und Gemeinden, Vereine und Firmen.

LEA-Mitinitator mahnte beim Thema Umweltschutz zur Eile.“Keine Schwarzmaler³

Man wolle, hieß es, keineswegs schwarzmalen, sondern etwas Sinnvolles tun. Und insofern, sagte Bummer, könne man steigende Energiepreise und den folgenden “enormen Aktionismus" auch als Chance für das heimische Handwerk nutzen. Biomasseheizkraftwerke und Hausdämmung nach Thermografieanalysen böten viel Raum für alle damit befassten Branchen. Ziel sei auch, ergänzte Energieberater Siegfried Kirner, “wie schon in der Photovoltaik so viel Fördergelder wie möglich in unsere Region zu bringen".

Weil die Energiefragen derzeit viel mit internationaler und überregionaler Politik zu tun hätten, sei es sinnvoll, viele Energiefragen in Zukunft möglichst im regionalen Rahmen zu lösen, sagte Wolfgang Böhm. Er hat ­ “anfangs belächelt" ­ zusammen mit Gleichgesinnten 1998 eine oberfränkische Energieagentur gegründet, die heute aus den Entscheidungsprozessen nicht mehr wegzudenken sei, sagte der engagierte Redner. Er wünsche der RegionLandshut dasselbe.

Derzeit verhalte es sich so, “da ss der Ölpreis um zehn Dollar pro Barrel steigt, wenn Osama bin Laden einmal hustet". Sich von diesen globalen Zusammenhängen zu entfernen, sei äußerst sinnvoll. Seine Agentur diene als Weichensteller, Ziel sei eine völlige Energie-Autarkie Oberfrankens, also die Abhängigkeit von fossilen  Energieträgern auf Null zu reduzieren. Nötig seien Beratung und Bewusstseinsänderung: “Das Wissensdefizit ist oft ungeheuer groß." Gut beratene  Bürger, das zeige die Erfahrung, “investierenmehr".

Und genau das fördere die regionale Wirtschaft. Ein gutes Beispiel seien mit Holzpellets betriebene Biomasseheizkraftwerke: "Da bleibt der Geldumsatz im Land." Wichtig sei auch das schlichte Energiesparen: Allein durch Umorganisation könne man in Gebäuden 20 Prozent Kosten sparen, sagte der Oberfranke, man müsse halt nur gut beraten. Dergestalt habe man beispielsweise im Landkreis Forchheim von 2001 bis 2004 230000 Euroeingespart.

Auch Landrat Josef Eppeneder unterstützt LEA.Weil, wie Böhm sagte, regionale Energiepolitik immer auch Chefsache und in die Lokalpolitik eingebettet sein müsse, waren auch Landrat Josef Eppenender und Oberbürgermeister Hans Rampf vor Ort. Beide sprachen nachdenkliche Grußworte. Eppeneder sprach von der “politischen Verpflichtung", die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten und zu schützen. Dies bedeute, Energie “sinnvoll einzusetzen und nicht zu vergeuden". Ein Credo für nur regenerative Energien gab der Landrat jedoch nicht ab: “Was wir brauchen,ist ein Energiemix."

Kritik an Gewinnmaximierung

Auch Rampfs Prognosen waren in dieser Hinsicht eher vorsichtig: Man wolle in der Stadt mittelfristig von zehn Prozent erneuerbarer Energie “auf 20 bis 25 Prozent kommen", sagte er. In Zeiten stetig wachsender Energiepreise sei “jetzt auch die Politik gefragt". Hart ins Gericht ging Rampf mit jenen, welche aktuell die Energiepreise gestalten. Sobald da Transparenz gefordert werde, werde “gezittert". Er habe grundsätzlich absolut nichts gegen die Erwirtschaftung von Gewinn, aber der bloße Blick auf Gewinnmaximierung bei der Grundversorgung des Menschen ­ und dazu gehöre die Energie ­ sei zubeanstanden.

(Text Christian Muggenthaler, Landshuter Zeitung, 22. Januar 2006) 

Updated: 13.08.2007
 
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