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"PuLL" bündelt Kompetenzen in Produktion und Logistik



Prof. Dr. Schneider erläuterte die Ziele des neuen Kompetenzzentrums PuLLDie Hochschule Landshut profiliert sich in einem weiteren Forschungsfeld: im neu gegründeten Kompetenzzentrum PuLL (Produktion und Logistik Landshut) wird das Know-how im Bereich von Produktion und Logistik gebündelt und sowohl den Studierenden als auch der Wirtschaft zur Verfügung gestellt. Bei einer internen Einweihungsfeier stellte Initiator und Leiter, Prof. Dr. Markus Schneider (Fakultät Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen), PuLL und die damit verbundenen Ziele vor.

Bei der internen Eröffnung des Kompetenzzentrums und des damit verbundenen "Labors Produktions- und Logistiksystemplanung" freute sich Hochschulkanzler Stefan Kiermaier über die neuen Kompetenzen an der Hochschule. Sowohl Studenten könnten durch neue Kenntnissen, in Abschlussarbeiten oder in Dissertationen in Zusammenarbeit mit Universitäten ebenso davon profitieren wie die Wirtschaft. Dies sei umso erfreulicher, als sich die Hochschule Landshut als Hochschule in der Region und für die Region verstehe. Das neue Kompetenzzentrum ermögliche Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitern sowie externen Kooperationspartnern einen Zugang zu modernsten Methoden und Werkzeugen der Produktions- und Logistikplanung.

Produktions- und Innovationsprozesse mittelfristig weiter entwickeln

Im Gegensatz zum Push-Prinzip, das versucht, sämtliche Prozesse zentral zu steuern, "wird im neuen Kompetenzzentrum das Pull-Prinzip favorisiert, das für Kundenorientierung und ein synchrones Produktionssystem steht", wie Prof. Dr. Markus Schneider, die Doppeldeutigkeit des Namens erklärt. Deutsche Unternehmen seien in vielen Bereichen mit Ihren Produkten an der Weltspitze vertreten. Während sehr viele Ressourcen in die Produktinnovation gesteckt würden, werde jedoch die Prozessinnovation, die (Weiter-) Entwicklung der Produktions- und Logistikprozesse, meist vernachlässigt. Es existiere vor allem in der mittelfristigen taktischen Produktions- und Logistikplanung (Planungshorizont 1-3 Jahre) eine Lücke. „Genau diese Lücke zu schließen ist unser Ziel. Dabei befassen wir uns mit allem, was Prozesse effizienter und Produkte besser produzierbar macht sowie die Produktivität erhöht,“ wie Prof. Dr. Schneider weiter ausführt.

Praktikum: Einfache Optimierungen mit großer Wirkung

An zwei Bildschirmen konnte man die Montage eines Traktors vor und nach der Optimierung vergleichen.Was bei einer optimierten Produktionskette zu beachten ist und welche Effizienzsteigerungen durch Beseitigung von Verschwendung möglich sind, zeigte Prof. Dr. Schneider an einem einfachen Beispiel aus dem im Rahmen des Wirtschaftsingenieurstudiums durchgeführten Praktikums "Logistik- und Produktionssystemplanung". Die Aufgabe lautete, einen Fischertechnik-Traktor zu montieren. Um ein solches Gefährt ohne Vorüberlegung zusammen zu bauen, benötigte ein Proband nach mehrmaligem Üben 124 Sekunden.

An dieser Tätigkeit wurden wichtige Prinzipien einer systematischen Optimierung der Arbeitsabläufe und eine Gestaltung des Arbeitsplatzes gezeigt. Unter anderem wurde durch eine verbesserte Montagereihenfolge erreicht, dass der Bauraum nicht mehr durch bereits montierte Teile verdeckt wird und das Produkt somit nicht mehr so häufig gedreht werden muss. Durch eine geschickte Gestaltung von mehreren Montagevorrichtungen wurde beidhändiges Arbeiten möglich. Durch Anschläge an den Montagevorrichtungen, die für eine exakte Ausrichtung der montierten Bauteile sorgen, entfiel das vorher ständig notwendige nachjustieren der montierten Teile. Des Weiteren verhindern die Anschläge auch einen Falschverbau der Teile. Dieses Prinzip der Qualitätsverbesserung nennen die Japaner Poka Yoke. All diese Verbesserungen führten dazu, dass die Montagedauer eines Fischertechnik-Traktors, wohlgemerkt bei gleicher Arbeitsgeschwindigkeit, um nahezu 50% reduziert werden konnte.

Know-how der Wirtschaft zur Verfügung gestellt

Eine materialflussgerechte Fabrikplanung ist in der virtuellen Lernfabrik möglich.Die Prinzipien einer materialflussgerechten Fabrikplanung und einer optimierten Arbeitsplatzgestaltung will Prof. Dr. Schneider aber künftig vor allem in reellen Projekten, vorrangig mit Klein- und mittelständischen Unternehmen, anwenden. Dies im Rahmen von Beratungsvorhaben, Schulungen und auch in der Forschung. Relevante Themen sind u.a. Wertstromdesign, 5S, 3P-Workshops, Produktions- und Logistiksteuerung, Komplexitätsreduzierung, KANBAN und JIT.

Im eigenen Labor stehen  u.a. eine virtuelle Planungsumgebung und eine reale Lernfabrik zur Verfügung. Die Planungsprozesse können von der Produktentwicklung, über die Fabrikplanung, bis hin zum Aufbau einer Produktion mit 6 Arbeitsplätzen simuliert werden. Auf einem großen Touch-Screen-Bildschirm können Flächen und 3D-Elemente, z.B. Maschinen, in Realtime angeordnet und die Güte des Planungsergebnisses bewertet werden.

In Kooperation mit mehreren KMUs und dem Fraunhofer IFF Magdeburg, forscht PuLL bereits jetzt an der Integration von Planungsmethoden und Werkzeugen des Lean Managements, der MTM-Methoden sowie der Digitalen Fabrik. Dabei beteiligt ist auch Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH) Michael Ettl, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Labor tätig ist und im Rahmen dieses Forschungsprojektes seine Dissertation schreiben wird.

Am Standort Landshut soll, neben der bereits für Schulungszwecke eingesetzten auf Basis von Fischertechnik umgesetzten Lernfabrik, zusammen mit einem Netzwerk von Partnerunternehmen eine reale Musterfabrik aufgebaut werden. Hier sollen verschiedene Technologien zur Arbeitsplatzgestaltung (Regale, Beleuchtung, Behälter, Werkzeuge etc.) zur Organisation (Beschilderung, Bodenmarkierungen etc.) und zum Materialabruf (KANBAN-Karten, eKANBAN, W-LAN-Abruf etc.) gezeigt und ausprobiert werden können. Das Ziel ist es, Unternehmen und Studierenden die Prinzipien einer Lean Factory praxisnah zu demonstrieren.


Weitere Informationen zum Kompetenzzentrum PuLL finden Sie auf der 
Homepage www.p-u-l-l.de.

 

 


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Updated: 19.04.2010
 
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