Verschwendung in Prozessen mit Wertstromdesign verhindern
Steigende Kundenanforderungen, wachsender Wettbewerbs- und Kostendruck
sowie schwankende Auftragszahlen zwingen die Unternehmen dazu, ihre
Prozesse zu optimieren. Eine wertvolle Methode, um Prozesse und Abläufe
zu optimieren, wurde in der Veranstaltung "Wertstromdesign" im
Kompetenzzentrum Produktion und Logistik (PuLL) der Hochschule Landshut
vorgestellt. In der Kooperationsveranstaltung zwischen IHK Niederbayern
und Hochschule Landshut erhielten rund 40 Mitarbeiter/innen und
Führungskräfte aus Industrie- und Handelsunternehmen einen Einblick in
die Vorgehensweise von der Wertstromanalyse (Ist-Prozess) zum
Wertstromdesign (Soll-Prozess) und die Möglichkeiten im PuLL-Planungs-
und Technologiezentrum. Aufgrund der großen Nachfrage findet eine
Wiederholung der Veranstaltung statt.
In seiner Begrüßung betonte Vizepräsident Prof. Dr. Helmuth Gesch, dass der permanente Dialog mit der Wirtschaft ein wichtiges Anliegen sei, denn nur so könne man gemeinsam etwas bewegen. Er bedankt sich im Namen der Hochschule ebenso wie Innovationsberater Michael Schinko von der IHK Niederbayern für das Engagement aller Beteiligten, und lädt auch längerfristig zur Zusammenarbeit zum Nutzen aller ein.
Von Ford T-Modell bis zum Lean Management
Prof. Dr. Schneider stellte erst die Entwicklung der Massenproduktion
ausgehend vom in großen Serien ohne Abweichungen gebauten Ford T-Modell
bis zur schlanken Produktion vor, die vielfältige individuelle
Kundenanforderungen berücksichtigen müsse. Je nach dem Grad der dadurch
geforderten Flexibilität stelle sich die Frage, wann eine Umstellung der
Produktion sinnvoll sei. Eine schlanke oder "Lean" Produktion sei u.a.
gekennzeichnet durch kleine flexible Materialbehälter und kurze
Arbeitswege. Verschwendung entstehe durch zu viel Material für viele
Varianten, weite Transportwege und hohen Platzbedarf. Ein zu hoher
Bestand erhöhe die Durchlaufzeit, verdecke Probleme und verringere die
Reaktionsfähigkeit.
Auch wenn Schwachstellen in den Prozessen bekannt seien, mangele es häufig an der richtigen Methodik, um diese schnell, einfach und zielgerichtet erkennen und beseitigen zu können. Das Wertstromdesign aus dem Bereich des Lean Managements, habe sich hier in vielen Unternehmen als sehr praxisnahe und anwendungsgerechte Vorgehensweise etabliert, um diese Schwachstellen (Verschwendungen) zu beseitigen. Prof. Schneider betonte, die Methode sei nicht nur für Produktionsprozesse sondern für vielfältige Bereiche von der Auftragsannahme bis hin zur Verwaltung oder after sales-Aktivitäten einsetzbar. Da die meisten Teilnehmer/innen in produzierenden Unternehmen tätig waren, standen die Produktionsabläufe in der Veranstaltung aber im Vordergrund.
Wertstromanalyse aus Kundensicht
Am Anfang stehe die Wertstromanalyse, die Erfassung des Ist-Zustandes. Dabei werden aktuelle Produktionsprozesse erfasst und mit einer einheitlichen Symbolik abgebildet. Man müsse sich im Vorfeld Gedanken über den Detaillierungsgrad machen, "die Analyse muss auf ein A3-Blatt passen", empfiehlt Prof. Schneider. In Produktfamilien könne man ähnliche Produktionsschritte bündeln und die Analyse mit Repräsentanten starten.
Die Durchführung erfolge mit einfachen Mitteln, nämlich mit Stoppuhr und Bleistift. Wichtig seien auch Gespräche mit den Mitarbeitern, ergänzt können sie durch Informationen aus verfügbaren Kennzahlen werden. Prof. Dr. Schneider warnt aber davor, unreflektiert EDV-Daten zu verwenden, da diese oft nicht die erwarteten Inhalte liefern würden. Auch solle man die Analyse vom Ende der Produktionskette beginnen, da man so den Prozess aus Kundensicht beurteilen könne.
Optimiertes Wertstromdesign mit PuLL
Wie ausgehend von der Analyse ein optimiertes Wertstromdesign erfolgen
und wie das Kompetenzzentrum PuLL Unternehmen bei der Gestaltung,
Planung und Ausführung von Produktions- und Logistiksystemen
unterstützen kann, zeigte Mitarbeiter Michael Ettl anschließend im
PuLL-Planungs- und Technologiezentrum. Hier stehen u.a. eine virtuelle
Planungsumgebung sowie eine reale Lernfabrik zur Verfügung. Die
Planungsprozesse können von der Produktentwicklung, über die
Fabrikplanung, bis hin zum Aufbau einer Produktion simuliert werden. Auf
einem großen Touch-Screen-Bildschirm können Flächen und 3D-Elemente,
z.B. Maschinen, in „real time“ angeordnet und die Güte des
Planungsergebnisses bewertet werden.
Am Beispiel der Senderfertigung von Rohde & Schwarz zeigte Thomas Kasparbauer in seinem Vortrag, wie eine Lean-Produktion in die Realität umgesetzt wurde. Die Produktionsoptimierung stelle einen Spagat zwischen ausreichenden Reserven und möglichst niedrigem Bestand dar. Er betonte, Lean zu realisieren heiße zuerst auch Ressourcen in das Projekt stecken zu müssen. Neben dem Umgang mit technischen Tools und Lösungen sei besonders der Umgang mit den Mitarbeitern von großer Bedeutung. Ein Change Management sei ebenso von Bedeutung wie der richtige Zeitpunkt für die Umstrukturierung.
Aufgrund der großen Nachfrage bieten Hochschule und IHK Niederbayern eine Wiederholung der Veranstaltung an. Sie findet am Donnerstag, 23. September, um 15.00 Uhr an der Hochschule Landshut statt, es sind noch Plätze frei. Die Anmeldung erfolgt über www.ihk-niederbayern.de (ext.). Weitere Informationen unter www.p-u-l-l.de.
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