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Verschwendung in Prozessen mit Wertstromdesign verhindern

Prof. Dr. Markus Schneider erklärt die Prinzipien des Wertstromdesigns.Steigende Kundenanforderungen, wachsender Wettbewerbs- und Kostendruck sowie schwankende Auftragszahlen zwingen die Unternehmen dazu, ihre Prozesse zu optimieren. Eine wertvolle Methode, um Prozesse und Abläufe zu optimieren, wurde in der Veranstaltung "Wertstromdesign" im Kompetenzzentrum Produktion und Logistik (PuLL) der Hochschule Landshut vorgestellt. In der Kooperationsveranstaltung zwischen IHK Niederbayern und Hochschule Landshut erhielten rund 40 Mitarbeiter/innen und Führungskräfte aus Industrie- und Handelsunternehmen einen Einblick in die Vorgehensweise von der Wertstromanalyse (Ist-Prozess) zum Wertstromdesign (Soll-Prozess) und die Möglichkeiten im PuLL-Planungs- und Technologiezentrum. Aufgrund der großen Nachfrage findet eine Wiederholung der Veranstaltung statt.

In seiner Begrüßung betonte Vizepräsident Prof. Dr. Helmuth Gesch, dass der permanente Dialog mit der Wirtschaft ein wichtiges Anliegen sei, denn nur so könne man gemeinsam etwas bewegen. Er bedankt sich im Namen der Hochschule ebenso wie Innovationsberater Michael Schinko von der IHK Niederbayern für das Engagement aller Beteiligten, und lädt auch längerfristig zur Zusammenarbeit zum Nutzen aller ein.

Von Ford T-Modell bis zum Lean Management

Die Initiatoren und Referenten der Veranstaltung Wertstromdesign: Prof. Dr. Markus Schneider (links) und Michael Ettl (rechts, beide Kompetenzzentrum PuLL), Thomas Kasparbauer (Rohde & Schwarz, 2.v.l. ), Innovationsberater Michael Schinko von der IHK NiederbayernProf. Dr. Schneider stellte erst die Entwicklung der Massenproduktion ausgehend vom in großen Serien ohne Abweichungen gebauten Ford T-Modell bis zur schlanken Produktion vor, die vielfältige individuelle Kundenanforderungen berücksichtigen müsse. Je nach dem Grad der dadurch geforderten Flexibilität stelle sich die Frage, wann eine Umstellung der Produktion sinnvoll sei. Eine schlanke oder "Lean" Produktion sei u.a. gekennzeichnet durch kleine flexible Materialbehälter und kurze Arbeitswege. Verschwendung entstehe durch zu viel Material für viele Varianten, weite Transportwege und hohen Platzbedarf. Ein zu hoher Bestand erhöhe die Durchlaufzeit, verdecke Probleme und verringere die Reaktionsfähigkeit.

Auch wenn Schwachstellen in den Prozessen bekannt seien, mangele es häufig an der richtigen Methodik, um diese schnell, einfach und zielgerichtet erkennen und beseitigen zu können. Das Wertstromdesign aus dem Bereich des Lean Managements, habe sich hier in vielen Unternehmen als sehr praxisnahe und anwendungsgerechte Vorgehensweise etabliert, um diese Schwachstellen (Verschwendungen) zu beseitigen. Prof. Schneider betonte, die Methode sei nicht nur für Produktionsprozesse sondern für vielfältige Bereiche von der Auftragsannahme bis hin zur Verwaltung oder after sales-Aktivitäten einsetzbar. Da die meisten Teilnehmer/innen in produzierenden Unternehmen tätig waren, standen die Produktionsabläufe in der Veranstaltung aber im Vordergrund.

Wertstromanalyse aus Kundensicht

Am Anfang stehe die Wertstromanalyse, die Erfassung des Ist-Zustandes. Dabei werden aktuelle Produktionsprozesse erfasst und mit einer einheitlichen Symbolik abgebildet. Man müsse sich im Vorfeld Gedanken über den Detaillierungsgrad machen, "die Analyse muss auf ein A3-Blatt passen", empfiehlt Prof. Schneider. In Produktfamilien könne man ähnliche Produktionsschritte bündeln und die Analyse mit Repräsentanten starten.

Die Durchführung erfolge mit einfachen Mitteln, nämlich mit Stoppuhr und Bleistift. Wichtig seien auch Gespräche mit den Mitarbeitern, ergänzt können sie durch Informationen aus verfügbaren Kennzahlen werden. Prof. Dr. Schneider warnt aber davor, unreflektiert EDV-Daten zu verwenden, da diese oft nicht die erwarteten Inhalte liefern würden. Auch solle man die Analyse vom Ende der Produktionskette beginnen, da man so den Prozess aus Kundensicht beurteilen könne.

Optimiertes Wertstromdesign mit PuLL

Michael Ettl führt die Möglichkeiten im PuLL-Planungs- und Technologiezentrum vor.Wie ausgehend von der Analyse ein optimiertes Wertstromdesign erfolgen und wie das Kompetenzzentrum PuLL Unternehmen bei der Gestaltung, Planung und Ausführung von Produktions- und Logistiksystemen unterstützen kann, zeigte Mitarbeiter Michael Ettl anschließend im PuLL-Planungs- und Technologiezentrum. Hier stehen u.a. eine virtuelle Planungsumgebung sowie eine reale Lernfabrik zur Verfügung. Die Planungsprozesse können von der Produktentwicklung, über die Fabrikplanung, bis hin zum Aufbau einer Produktion simuliert werden. Auf einem großen Touch-Screen-Bildschirm können Flächen und 3D-Elemente, z.B. Maschinen, in „real time“ angeordnet und die Güte des Planungsergebnisses bewertet werden.

Am Beispiel der Senderfertigung von Rohde & Schwarz zeigte Thomas Kasparbauer in seinem Vortrag, wie eine Lean-Produktion in die Realität umgesetzt wurde. Die Produktionsoptimierung stelle einen Spagat zwischen ausreichenden Reserven und möglichst niedrigem Bestand dar. Er betonte, Lean zu realisieren heiße zuerst auch Ressourcen in das Projekt stecken zu müssen. Neben dem Umgang mit technischen Tools und Lösungen sei besonders der Umgang mit den Mitarbeitern von großer Bedeutung. Ein Change Management sei ebenso von Bedeutung wie der richtige Zeitpunkt für die Umstrukturierung.

Aufgrund der großen Nachfrage bieten Hochschule und IHK Niederbayern eine Wiederholung der Veranstaltung an. Sie findet am Donnerstag, 23. September, um 15.00 Uhr an der Hochschule Landshut statt, es sind noch Plätze frei. Die Anmeldung erfolgt über www.ihk-niederbayern.de (ext.). Weitere Informationen unter www.p-u-l-l.de.  

 


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Updated: 13.11.2010
 
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