Produktentwicklung unter Nutzerinnenperspektiven
Im Rahmen der Ringvorlesung „gender lectures_interdisziplinär“, die insgesamt fünf Vorträge im Wintersemester 2011/2012 anbietet, stellte Dipl.-Päd. Sabrina Gebauer (TU München, Gender Studies in Ingenieurwissenschaften) die Frage, wie Nutzerinnenperspektiven in der Produktentwicklung einfließen könnten. Unter dem Titel „Wie kommen die Perspektiven von Nutzerinnen in die Entwicklung von Produkten? Gender und Diversity in Innovationsworkshops“ stellte sie Ergebnisse aus ihrer laufenden Doktorarbeit vor.
Grundsätzlich gäbe es verschiedene Interpretationen des Begriffs Diversity (engl. Vielfalt, Unterschiedlichkeit), es könne sich im juristischen Sinne um Geschlecht, Alter, Nationalität oder Behinderung handeln, allgemeiner betrachtet um Qualifikation, Kleidung beziehungsweise Essen. Besonders spannend sei aber die Analyse, welche Rolle das weibliche Geschlecht bei der Entwicklung und Verbesserung von technischen Produkten spiele.
Die Neuentwicklung oder Verbesserung von Produkten ist bei Unternehmen eine alltägliche Aufgabe. Immer wertvoller werde dabei das Einbeziehen der Kundenmeinungen, die sogenannte „Open Innovation“. Dabei stehen den Herstellern verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, abhängig davon in welchem Stadium und welcher Intensität die Nuterzperspektive benötigt wird. Der Integrationsgrad sei am höchsten bei der „Creation- und Design“-Methode, die darauf abziele, in der Innovationsphase Ideen und Konzepte mit den Kunden zu erarbeiten. Diese könne anhand von Ideenwettbewerben, Web-Communities oder Innovationsworkshops geschehen.
Gebauer berichtet über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse als Beobachterin diverser Innovationsworkshops zu Themen wie Passivhaus oder Mobilität. Zu solch einem Innovationsworkshop werde in der Regel über ein Auswahlverfahren eine Gruppe aus circa 15 Lead Usern eingeladen. Das Team aus Fachleuten und Profinutzern führt unter Moderation über 1-2 Tage Diskussionsrunden und entwickelt Konzepte. Es sei zu beobachten, dass bei Themen wie Passivhaus und Mobilität die Frauenquote äußerst gering sei. Und nehme dann eine Frau teil, wie in einem Beispiel geschehen, sei dieser eine typisch weibliche Funktion zugesprochen worden, auch wenn dies in anschließenden Feedbackgesprächen bedauert worden sei.
Dabei sei das Eibringen der weiblichen Ansichten gerade auch bei technologischen Themen relevant, da diese neue Sichtweisen einbringen würden und so neue Zielgruppen schließen könnten. Das Thema Diversität müsse hier besonders ernst genommen und auch explizit behandelt werden, um in solchen Runde die wertvollen Informationen über weibliche Sichtweisen und Einstellungen zu neuen (technischen) Produkten erhalten zu können.
Text und Foto: Sabrina Retzer / 3. Semester, Wirtschaftsingenieurwesen
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