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Glaube ist ohne Freiheit nicht denkbar

Prof. Dr. Richard Heinzmann referierte über die Grenzen des begreifenden Denkens

Prof. Dr. HeinzmannAls namhaften Kenner der abendländischen Geistesgeschichte bezeichnete Fachhochschul-Präsident Prof. Dr. Erwin Blum den Referenten des WissensWerk-Vortrags am Montagabend. Prof. Dr. Richard Heinzmann machte im Rahmen des Themas “An den Grenzen begreifenden Denkens ­ zum Verhältnis von  Glauben und Wissen³ deutlich, dass man dem Menschen weder das Denken noch das Glauben absprechen dürfe.
Zum Motto der Vortragsreihe “Das Wissen über das Wissen³ regte der emeritierte  Ordinarius für Christliche Philosophie an der Universität München an, es als Referenz an die Thematik des Glaubens um den Zusatz “und die Grenzen des Wissens³ zu  ergänzen.

“Das menschliche Sein ist ausgeklammert, wenn wir unser Wissen auf das Wissen beschränken³, sagte Heinzmann. Für die Zukunft der Menschheit sei das Wissen über das Wissen nicht ausreichend. Das Wissen über den Glauben sei von noch höherer Bedeutung. Heute sei das Wissen stark ausgerichtet auf Naturwissenschaft und Technik. Wenn man aber den Glauben ausklammere, werde auch das eigentlich Menschliche ausgeklammert. “Naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind ja nicht die Erkenntnisse der Gesetze der Natur³, führte der Philosoph und Theologe aus.

WWL: FH-Präsident Prof. Dr. Blum bei der Begrüßung Der Mensch beschreibe vielmehr mit Hilfe seines Denkens Phänomene aus der Natur. “Wir haben nie das Letzte von der Natur begriffen, sondern bleiben damit im Vorfeld des Wissens und müssen immer damit rechnen, dass wir Korrekturen vornehmen müssen.³ Die Geschichte der Physik sei die Geschichte der Korrektur wissenschaftlichen Wissens. Was dem Anspruch der Wissenschaft nicht entspreche, werde in den Bereich des Glaubens verwiesen. Der Glaube sei gemeinhin von diesem Wissen her definiert worden. Man habe ihn zu einer Vorform von Wissen degradiert. Heinzmann bezeichnete die Auseinandersetzung zwischen Naturwissenschaft und Theologie als ein Missverständnis. Als Beispiel für die verheerenden Folgen dieses Missverständnisses nannte er Galileo Galilei: “Die Kirche war der Meinung, sie könnte der Naturwissenschaft vorschreiben, wo die Grenzen der Welterklärung liegen.³ So sei der Eindruck entstanden, dass die Geschichte der Naturwissenschaft identisch sei mit der Geschichte des Atheismus¹. Andererseits habe auch die Naturwissenschaft, die auf die erfahrbare Welt ausgerichtet sei, ihre Kompetenzen überschritten in dem Versuch, die Frage nach dem letzten Grund zu ergründen. Man müsse vielmehr erkennen, dass auch der Glaube eine Form des denkenden Verstehens sei.

WWL: HSG-Seelsorger Dr. Hämmerl moderierte die lebhafte Diskussion.Dort wo der Mensch mit seinem begreifenden Denken und seineminnermenschlichen Glauben an Grenzen stoße, eröffnet sich laut Heinzmann“der Horizont auf jenes absolute Geheimnis, das wir Gott nennen.³ Es gebegute Gründe, dass man sich in Freiheit dafür entscheidet, sich auf diesesletzte Geheimnis einzulassen. Der Referent verwies in diesem Zusammenhangauf die Erfahrung der Endlichkeit: “Es gab einmal einen Tag, da war keinervon uns.³ Genauso sicher werde es einmal einen Tag geben, an dem keiner mehrsein wird. Dies beinhalte die Frage nach dem letzten Grund: “Wenn ichirgendwann nicht war und irgendwann nicht mehr sein werde ­ warum bin ich dann?³ Bei der Beantwortung dieser Frage stoße die Naturwissenschaft anihre Grenzen. Zwar gebe es keine unmittelbare Gotteserfahrung in dieserWelt, aber sehr wohl eine indirekte. Sie bestehe darin, sich zu wundern. DasWundern sei eine Erfahrung an der Grenze zum begreifenden Denken. An den Vortrag im überfüllten Hörsaal schloss sich eine angeregte Diskussionan.

Das Wissenswerk Landshut ist eine Veranstaltungsreihe der Fachhochschule Landshut, der Hochschulgemeinde und des BMW- Werks Landshut. Es beleuchtet das Wissen über das Wissen aus unterschiedlichen Perspektiven und Disziplinen.

(Text: Landshuter Zeitung) 

Updated: 13.08.2007
 
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